Hausboot rammt Seenotretter: Waghalsige Rettung auf dem Haff
Hausboot rammt Seenotretter: Rettung auf dem Haff

Ein Hausboot mit Motorschaden ist am Samstagnachmittag Mitte Juni bei Windböen der Stärke sieben auf dem Haff in Not geraten. Die Seenotretter der Station Ueckermünde wurden alarmiert und konnten das Boot schließlich in den Hafen schleppen. Dabei kam es zu einer Kollision, und insgesamt mussten die Retter drei Notfälle bewältigen.

Einsatz mit Hindernissen

Christopher Zabel, Vormann der Station Ueckermünde, war gerade im Garten, als der Alarm kam. „Es war ein Samstagnachmittag, ich hatte gerade im Garten gearbeitet und wollte duschen“, erzählt der 36-Jährige. Sofort machte er sich auf den Weg. Unterwegs nahm er Kontakt zum Havaristen auf und wies ihn an, den Anker zu werfen. „Dieser hielt aber nicht. Zudem war der Frau wegen der Schaukelei schlecht geworden.“

Aus der Hilfeleistung wurde ein Eileinsatz. „Wir waren sieben Leute auf der Station. Also haben wir uns dafür entschieden, das größere Seenotrettungsboot, die Neuharlingersiel, zum Schleppen zu nutzen und die kleinere Eva Ahrens-Thies gleich zum Havaristen vorauszuschicken“, erläutert Zabel.

Surfer in Not

Beim Auslaufen entdeckte Zabel einen umgekippten Surfer hinter den Reusen. „Daraufhin habe ich die Eva Ahrens-Thies per Funk angewiesen, sofort kehrt zu machen und sich um den Surfer zu kümmern“, beschreibt er. Der Surfer war erschöpft und konnte allein nicht mehr auf sein Board. Die Kollegen nahmen ihn an Bord und brachten ihn zum Strand.

Kollision mit dem Hausboot

Am Hausboot angekommen, lag die Frau des Bootsführers unter Deck, das Geschirr war aus den Schränken gefallen. Das Boot lag quer zur Welle mit einer Neigung von 30 bis 35 Grad. Dann zog der Mann den Anker zu früh – aus einem Missverständnis. „Deshalb kam das Hausboot mit einer Welle auf uns zugerollt und hat unser Boot gerammt.“ Dabei ging ein Fenster zu Bruch, am Hausboot entstand ein Schaden am Dachkasten. Ein Rettungsmann stieg über, um an Bord zu helfen.

Schleppfahrt in den Hafen

Die Schleppverbindung wurde hergestellt, und die Reise in den sicheren Hafen dauerte etwa eine Stunde, da das Hausboot rund drei Seemeilen draußen lag. Der Hafenmeister war vorab informiert. „Bei dieser Windstärke war es ein gewagtes Unternehmen, das Haff mit einem Hausboot überqueren zu wollen“, merkt Zabel an.

Dritter Notfall: Segelboot im Stellnetz

Kaum war das Hausboot festgemacht, kam der nächste Einsatz: Ein Segelboot war in ein Stellnetz gefahren und festgelegen. „Die Eva Ahrens-Thies ist dann gleich wieder raus“, so Zabel. Die Kollegen schnitten das Ruder frei, und der Segler aus Ueckermünde konnte seine Fahrt fortsetzen.

Überwiegend sind es Untiefen, Motorschäden und Netze, die die Seenotretter auf den Plan rufen. Medizinische Notfälle seien seltener, kommen aber vor, sagt Zabel, der als Rettungssanitäter arbeitet.

Brennender Tanker vor Kühlungsborn

Für Eyck Schuppang, Vormann der Station Kühlungsborn, war das Tankerunglück vor dem Badeort im Oktober 2024 der bislang größte Einsatz. „Wir wurden am 11. Oktober um 9.30 Uhr mit Stichwort ‚brennender Tanker vor Kühlungsborn‘ alarmiert und sind dann mit dem Seenotrettungsboot Wilma Sikorski hinausgefahren“, erinnert er sich. Die regulär stationierte Konrad-Otto war zur Generalüberholung in Bremen.

Alle sieben Besatzungsmitglieder wurden vom brennenden Tanker geborgen. Auch der Kreuzer Arkona aus Warnemünde und der Notfallschlepper Baltic waren beteiligt. „Wir hatten die Aufgabe, die Besatzung vom Schiff zu bergen. Dazu sind wir längsseits gegangen und haben die Leute vom Tanker geholt und medizinisch versorgt“, so Schuppang. Insgesamt waren die Retter zweieinhalb Stunden im Einsatz.

Die Station verfügt über zwölf Mann, doch die Tagesbereitschaft ist problematisch. „Wir sind alle berufstätig. Da ist das eine Herausforderung, einsatzbereit zu sein“, sagt Schuppang. Dieses Jahr gab es bisher nur Routineeinsätze. „Wir haben im Schnitt rund 20 Einsätze im Jahr. 2026 ist bisher extrem ruhig.“ Der beste Einsatz sei der, der nicht stattfindet.

Segler aus Tasmanien gerettet

Carsten Berlin, Vormann auf Hiddensee, berichtet von einem besonderen Einsatz: „Herausragend war dieses Jahr bislang, dass wir Anfang Juli ein 14 Meter langes Segelboot aus Tasmanien am Haken hatten.“ Der Segler war vom Fahrwasser abgekommen und auf Grund gelaufen. „Aus eigener Kraft kam er nicht mehr weiter und wir mussten ihn freischleppen.“ Wohin er weiter gesegelt ist, weiß Berlin nicht.

Auch auf Hiddensee ist es ruhig. „Wir wissen von Händlern, dass viele Boote zum Verkauf an Land stehen und keinen Käufer finden“, sagt der Vormann. Der Hafenmeister von Seedorf habe angemerkt, dass es immer weniger junge Menschen gibt, die Segelsport betreiben. „Wenn in ein paar Jahren die Leute zu alt sind, um zu fahren, könnte es auf dem Wasser leer werden.“

Ehrenamtliche Retter

Die Vormänner aus Ueckermünde, Hiddensee und Kühlungsborn sind wie die meisten der rund 1.000 Seenotretter Freiwillige. Sie sind berufstätig und im Ehrenamt aktiv. Trotzdem besetzen sie innerhalb weniger Minuten das Boot und fahren raus, um Menschen zu retten. Die DGzRS unterhält zwischen Borkum und der Pommerschen Bucht rund 60 Rettungseinheiten auf 53 Stationen – finanziert ausschließlich durch Spenden, ohne staatliche Mittel.