Höcke in Stralsund: 2.000 Menschen protestieren gegen AfD-Auftritt
Höcke in Stralsund: 2.000 protestieren gegen AfD-Auftritt

In Stralsund haben deutlich mehr Menschen als erwartet gegen eine Wahlkampfveranstaltung mit Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke demonstriert. Laut Polizei beteiligten sich in der Spitze rund 2.000 Menschen am Gegenprotest, während zuvor nur etwa 400 erwartet worden waren. Zur AfD-Veranstaltung auf der Hansa-Wiese kamen demnach in der Spitze rund 550 Menschen.

Regen und starkes Polizeiaufgebot

Beide Gruppen harrten teils im strömenden Regen aus, getrennt durch Polizei und Absperrgitter. Die Polizei war mit einem starken Aufgebot vor Ort. Bis zum Ende der AfD-Kundgebung am Abend seien keine Straftaten bekannt geworden, sagte eine Polizeisprecherin. Die Beamten wollten noch bis in die Nachtstunden präsent bleiben, um Konflikte auf dem Heimweg beider Gruppen zu verhindern.

Zweiter Höcke-Auftritt in Folge in MV

Es war der zweite Auftritt Höckes in Mecklenburg-Vorpommern in Folge, nachdem er am Vorabend auf dem Neubrandenburger Marktplatz gesprochen hatte. Er unterstützte damit die hiesige AfD vor der Landtagswahl am 20. September. In Umfragen führt die AfD in MV vor der regierenden SPD.

Höcke widmete weite Teile seiner Rede dem Thema Migration und forderte eine restriktivere Asylpolitik. Er gab dabei die Migrationspolitik Dänemarks als Vorbild vor. Das von Sozialdemokratin Mette Frederiksen regierte Land will bereits ab dem kommenden Jahr erste Migranten in Abschiebezentren außerhalb der EU unterbringen, wie der zuständige Minister am Freitag erklärte.

Kritik an Russland-Politik

Zuspruch erhielt Höcke auch für seine Forderung nach einer anderen Russland-Politik. „Wir können einen Friedensmodus mit Russland aufbauen“, sagte er. „Wir müssen Brücken bauen nach Russland. Russland und Deutschland müssen Partner werden.“

Deutschland unterstützt die Ukraine, die seit 2022 Ziel einer russischen Vollinvasion ist und sich gegen den Angriff verteidigt, unter anderem finanziell und mit Rüstungsgütern. Zudem beteiligt sich Deutschland an Sanktionen gegen Russland. Die Bundesregierung hatte Russland jüngst für einen Anschlagsversuch mit einer Sprengstoffdrohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich gemacht und deshalb unter anderem die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn und die Kündigung des Vertrags für das Russische Haus in Berlin angekündigt.

Höcke sagte, ein Staat werde an den Pranger gestellt, „ohne Beweise zu haben“. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte die Zuschreibung hingegen mit polizeilichen Ermittlungsergebnissen, Tatmustern und nachrichtendienstlichen Erkenntnissen begründet.

Lautstarker Gegenprotest

Die Teilnehmer des Gegenprotestes in Stralsund machten ihre Ablehnung unter anderem mit Pfiffen und Buh-Rufen deutlich. Höckes Landesverband ist von Thüringens Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft worden. Wie schon zuvor in Neubrandenburg standen nach der Kundgebung zahlreiche Anhänger Schlange für ein Foto mit Höcke.