Ein seit über 30 Jahren ungelöster Vermisstenfall in Vorpommern könnte nun aufgeklärt werden. In einem alten Autowrack, das am 19. August 2026 aus der Peene geborgen wurde, sind menschliche Knochen entdeckt worden. Die Ermittler sehen einen möglichen Zusammenhang mit einem Mann, der 1994 spurlos verschwand.
Überreste kilometerweit verteilt
Bereits im Jahr 2004 fand ein Angler nahe der Gützkower Fähre einen menschlichen Torso im Uferbereich. Eine Woche später tauchte etwa elf Kilometer entfernt in Stolpe an der Peene ein Schuh mit weiteren menschlichen Überresten auf. Polizeitaucher durchsuchten den Fluss, doch der Fall blieb damals ungelöst.
22 Jahre später gelang es Tauchern, ein altes Autowrack aus der Peene zu bergen, vermutlich einen Ford Escort. Bei der Untersuchung des Wracks kamen menschliche Knochen zum Vorschein. Die Spur führt nun zu einem 32 Jahre alten Vermisstenfall.
Vermisster aus Gützkow
Am 21. Mai 1994 verschwand ein damals 25-jähriger Mann aus Gützkow spurlos. Laut Ermittlern soll er zuvor einen Unfall auf der Insel Rügen gehabt haben und dann Richtung Gützkow gefahren sein. Die Funde von 2004 konnten damals nicht eindeutig zugeordnet werden. Die lange Zeit im Wasser und die damals noch nicht ausgereifte DNA-Forensik ließen Ermittler und Angehörige im Ungewissen.
In den Jahren 2004, 2005 und 2006 versuchten Mitarbeiter des Labors für forensische Molekulargenetik in der Rechtsmedizin Greifswald vergeblich, eine DNA-Analyse der Funde durchzuführen. Umwelteinflüsse in der Peene hatten die DNA-Spuren zu stark abgebaut.
Identifizierung 2016 gelungen
Erst 2016 war die Technik so weit fortgeschritten, dass eine Identifizierung gelang. „Wir benötigen viel weniger Material, um viel mehr Informationen ablesen zu können“, erklärte Anja Klann, die Leiterin des Labors für forensische Molekulargenetik in Greifswald, bereits im Jahr 2016. „Wir konnten 2016 eine Identifizierung der Knochen vornehmen“, sagt Klann heute.
Im geborgenen Fahrzeug wurde zudem ein weiterer Schuh gefunden, der zu dem Fund von damals aus Stolpe passen soll, wie eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg mitteilt. Auch die Kennnummer des Fahrzeugs stimme mit der des zuletzt auf den Vermissten zugelassenen Autos überein. Persönliche Gegenstände des Mannes wurden ebenfalls im Wrack gefunden.
Die genaue Todesursache ist jedoch weiterhin ungeklärt. Hinweise auf ein Verbrechen habe es während des gesamten Ermittlungszeitraums nicht gegeben. „Wir haben nach wie vor keine Hinweise auf ein Fremdverschulden“, so eine Sprecherin. Eine weiterführende Untersuchung durch die Rechtsmedizin soll alle Zweifel ausräumen. Priorität habe die zweifelsfreie Identifizierung der Person.