Nach der Rückweisung der Verfassungsbeschwerde der Kleinpartei „Lobbyisten für Kinder“ gegen ihre Nichtzulassung zur Landtagswahl 2026 können nun in Mecklenburg-Vorpommern die Stimmzettel für den Urnengang am 20. September gedruckt werden. Das gilt auch für den Wahlkreis 13 „Mecklenburgische Seenplatte I – Vorpommern-Greifswald I“.
Vom Landkreis Demmin zum Vorpommernkreis
Der Wahlkreis firmierte entsprechend der früheren Gebietsstrukturen bis 2015 unter dem Namen „Demmin I“. Sein Bereich umfasst die Städte Dargun und Demmin samt ihren dörflichen Ortsteilen und das umliegende Amt Demmin-Land sowie die Ämter Jarmen-Tutow und Peenetal/Loitz. Bis 2011 lagen sie alle im Landkreis Demmin, die beiden letzteren gehören seither zum Vorpommernkreis.
Diese ländliche Region gilt als eher konservativ, und seit den ersten freien Wahlen nach der politischen Wende in der DDR stellte sie lange die sicherste Hochburg der CDU im Nordosten dar. Kommunalpolitisch gerieten deren Mauern im neuen Jahrtausend aber zunehmend ins Wanken und spätestens 2011 auch mit Blick auf die Landespolitik.
Union rutschte 2021 bei Zweitstimmen auf Rang drei ab
Damals schrumpfte der klare Zweitstimmen-Vorsprung vor allen anderen auf ein Minimum, fünf Jahre später reichte es nur noch für Rang 3 – knapp hinter der neu angetretenen AfD und der SPD. Letztere übernahm dann beim Urnengang 2021 mit 33,7 Prozent eine deutliche Führung, die Alternative für Deutschland landete bei 24 Prozent, die Union rutschte auf 21,1 Prozent ab.
Bei den Erststimmen verhielt es sich hingegen häufig etwas anders. Hatte die CDU doch zumindest mit ihren Kandidaten immer klar das Direktmandat geholt. Das gelang 2016 auch mit dem damaligen Newcomer Franz-Robert Liskow wieder problemlos. Bei der jüngsten Landtagsabstimmung verbuchte er allerdings nur noch 26,5 Prozent.
Schult holte das einzige AfD-Direktmandat in MV
Damit landete der Mann hinter seinem AfD-Konkurrenten Enrico Schult, der 27,4 Prozent der Kreuze auf sich vereinigte. Und so als einziger aus der „blauen“ Truppe in ganz MV direkt ins Parlament einziehen konnte. Liskow kam trotzdem ins Schweriner Schloss – über die Landesliste der Partei.
Die beiden blieben dort nicht die einzigen aus dem Landstrich zwischen Peene- und unterem Tollensetal. Denn schon im Dezember folgte Anna-Konstanze Schröder als Nachrückerin für ihren SPD-Genossen Jochen Schulte, der auf sein Mandat verzichtet hatte. Sie war bei der Wahl bei 25,6 Prozent gelandet.
Linker rückte für Rostocker Oberbürgermeisterin nach
Für den Kandidaten der Linken im Wahlkreis 13, Dirk Bruhn, stimmten nur 10 Prozent. Doch zum Februar 2023 rückte er für Eva-Maria Kröger, die das Amt der Oberbürgermeisterin von Rostock übernahm, ebenfalls in den Landtag nach.
Nun kämpft dieses Quartett erneut um einen Sitz im Parlament, allerdings unter deutlich veränderten Vorzeichen. Dies hängt zum einen mit den Listenplätzen der Parteien zusammen, zum anderen mit der politischen Entwicklung.
Die Favoritenrolle ist diesmal anders vergeben
Dass der aus Nossendorf stammende Enrico Schult (47) Schwerin wieder verlassen muss, scheint ausgeschlossen. Hat er sich dort doch zum Oppositionsführer und Landesvorsitzenden gemausert. Die AfD setzte ihn an Platz 1 für ganz Mecklenburg-Vorpommern und die Prognosen für den 20. September sehen sie klar in Führung. Gerade in seinem Wahlkreis, wo er jetzt als Favorit an den Start geht.
Franz-Robert Liskow (39), trotz seines Alters bereits ein alter Hase im Politikgeschäft, ist derzeit parlamentarischer Geschäftsführer der CDU im Landtag und kann sich trotz der eher verhaltenen Aussichten auf ein Direktmandat mehr als nur Hoffnungen auf eine dritte Legislaturperiode machen. Immerhin steht der Mann, der aus Greifswald stammt und inzwischen im Loitzer Ortsteil Rustow lebt, auf Listenplatz 3.
Schröder hofft auf Listenplatz, Bruhn braucht Direktmandat
Bei Anna-Konstanze Schröder (45) hängt ihr Wiedereinzug wohl vor allem vom Abschneiden anderer Genossen bei den Erststimmen ab. Denn die Frau, die in der Gemeinde Sassen-Trantow und damit ebenfalls im Peenetal-Amt wohnt, reiht sich auf Listenplatz 21 ein. Was in Bezug auf die aktuellen Umfrageergebnisse trotz der Verluste der SPD zumindest rein rechnerisch für einen Sitz reichen dürfte.
Anders verhält es sich für Dirk Bruhn (54), seit langem ehrenamtlicher Bürgermeister von Siedenbrünzow. Sein Name findet sich gar nicht auf der Landesliste der Linken wieder. Weshalb er das Direktmandat erringen müsste, um seinen Job zu behalten.
FDP und BSW treten an, Grüne verzichten
Während die Grünen 2026 auf einen eigenen Kandidaten in der Region verzichten, schickt die FDP mit Jessica Mendle (43) aus Greifswald sogar ihre Nummer zwei von der Landesliste ins Rennen. Was ihr indes wenig hilft, wenn die Liberalen wie prognostiziert diesmal die Fünf-Prozent-Hürde reißen sollten.
Gleiches gilt für das Bündnis Sahra Wagenknecht und seinen WK13-Direktkandidaten Robert Koch (43). Der Mann aus Beggerow steht auf Platz 3 der BSW-Liste.