Konzertmeister Juan-Esteban Rendón vereint Vivaldi und Piazzolla
Konzertmeister vereint Vivaldi und Piazzolla

Für die erste Geige der Neuen Philharmonie MV wird die September-Tour zu einer besonderen Herausforderung: Juan-Esteban Rendón tritt als Solist von Ástor Piazzollas „Die vier Jahreszeiten in Buenos Aires“ auf und übernimmt bei diesem Werk zugleich die Dirigate. Der 31-Jährige ist seit 2022 Konzertmeister des Orchesters.

Streicher allein auf Reisen

Die jungen Musiker gehen mit einem reinen Streichorchester auf Tour. Das bedeutet für Rendón und seine Kollegen an Violinen, Bratschen, Celli und Kontrabässen ein intensives Programm, da Holz- und Blechbläser sowie Schlagwerker zu Hause bleiben.

Rendón bezeichnet Piazzolla als Genie, „weil er seinen eigenen Weg gegangen ist, seine eigene Musik komponierte“. Der Argentinier habe sich vom traditionellen Tango Argentino abgewandt und mit dem Tango Nuevo einen eigenen Stil entwickelt.

Piazzollas Blick auf Buenos Aires

In „Die vier Jahreszeiten in Buenos Aires“ thematisiert Piazzolla – wie Vivaldi – Frühling, Sommer, Herbst und Winter, allerdings mit Blick auf die argentinische Hauptstadt, in der er lange lebte und starb. „Piazzollas ‚Jahreszeiten‛ sind nah am Jazz und bieten die Chance zum Improvisieren“, sagt Rendón.

Im Original komponierte Piazzolla das Werk für sein Quintett mit Klavier, Violine, E-Gitarre, Kontrabass und Bandoneon, das er selbst spielte. Mittlerweile existieren verschiedene Arrangements für andere Instrumente.

Von Bogota nach Berlin

Rendón ist in Kolumbiens Hauptstadt Bogota geboren. Mit fünf Jahren begann er Klavier zu spielen, wechselte später auf die Violine. Den ersten Bachelor absolvierte er mit 19 Jahren in Bogota, den zweiten und den Master in Berlin, wo er bis heute lebt.

Im Studium spielte Piazzolla kaum eine Rolle, da der Unterricht „europazentriert“ auf Klassiker wie Beethoven, Bach oder Mozart ausgerichtet war. Intensiver beschäftigte sich Rendón im vergangenen Jahr mit Piazzolla – zusammen mit seinem Synergia Piano Trio, zu dem Camilo Chaparro (Violoncello) und Maria Shykyrinska (Klavier) gehören. Anlass war eine Anfrage des Konzerthauses Berlin. „Wir haben eine Fassung arrangiert und aufgeführt, die dicht am Original war“, sagt Rendón.

Tangoorchester auf Tour

Bei der September-Tour spielt die Neue Philharmonie eine Bearbeitung von Leonid Desjatnikow, der Passagen aus Vivaldis Original in Piazzollas Werk „gemixt“ hat. „Die Herausforderung ergibt sich vornehmlich aus den verschiedenen Tempi“, sagt Rendón. Piazzolla werde eher langsam gespielt, bei Vivaldi nähmen die Streicher mehr Fahrt auf.

Geboten werden neben Piazzolla auch Tschaikowskis Streicherserenade und Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“. Die Konzerte finden am 14.9. in Teterow, 16.9. in Pasewalk, 17.9. in Anklam und 18.9. in Malchow statt, jeweils um 19 Uhr.

Rendón spielt seit sieben Jahren in der Neuen Philharmonie und ist seit vier Jahren Konzertmeister. Als freiberuflicher Musiker möchte er sich dafür einsetzen, dass das Orchester neue Spielstätten erobert und irgendwann im Ausland spielt: „Und warum sollen wir als Neue Philharmonie nicht auch mal in Bogota auftreten?“