Der Rundfunkbeitrag bleibt umstritten. Ein Rentner aus Vorpommern erklärt, warum er ARD und ZDF kaum nutzt und auf Streaming setzt. In Mecklenburg-Vorpommern sind rund neun Prozent der Beitragskonten im Zahlungsverzug.
Kritik an fehlender Gegenleistung
Der Rundfunkbeitrag gehört für viele Menschen selbstverständlich zu den monatlichen Ausgaben. Seit 2013 gilt das Prinzip: Eine Wohnung, ein Beitrag – unabhängig davon, wie viele Menschen dort leben oder ob sie die Angebote von ARD, ZDF und Deutschlandradio nutzen. Derzeit werden 18,36 Euro im Monat fällig. Damit wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk finanziert, der den Auftrag hat, Informationen, Nachrichten, Bildung, Kultur, Unterhaltung und Sport anzubieten.
Kritiker bemängeln die verpflichtende Zahlung und die aus ihrer Sicht nicht ausreichende Gegenleistung. Einer dieser Kritiker ist Jörg Pfütze (63) aus Löcknitz in Vorpommern-Greifswald. Der pensionierte Postbeamte ist Mitbegründer eines Bürger-Protestteams und tritt gelegentlich bei Demonstrationen in Erscheinung. Zuletzt war er im Sommer bei einem Auto-Konvoi aus Vorpommern nach Berlin dabei.
„Ich zahle für etwas, was ich nicht will“
Pfütze nutzt öffentlich-rechtliche Sender äußerst selten. Wenn er sie sehe, werde er schnell davon überzeugt, dass dort nur eine einseitige Berichterstattung verbreitet werde. Stattdessen informiert er sich hauptsächlich über andere Medien wie Amazon Prime, Netflix, Paramount und andere.
Für die öffentlich-rechtlichen Sender zahlt er die Zwangsgebühr. Für alles andere zahlt er etwa 30 Euro im Monat, wobei er selbst entscheidet, was er schauen oder hören möchte. Das bezahle er freiwillig, weil gewünscht. „Ich zahle für etwas, was ich nicht will, und das empfinde ich als Zwang“, sagt er. Insbesondere die Inhalte und dass den Bürgern dort aus seiner Sicht eine einseitige Meinung aufgezwungen werde, halte er für äußerst fragwürdig.
Wahlversprechen und Zahlungsverzug
Einige Parteien versprechen vor den Landtagswahlen im Herbst eine Senkung beziehungsweise Abschaffung der Rundfunkgebühr. Ob Wahlversprechen eingehalten werden, werde sich nach der Wahl zeigen, so Pfütze. Er hoffe, dass es im Interesse der Bürger sein werde.
Die Zahl der Nichtzahler bleibt relativ konstant, teilt Christian Gärtner von der Rundfunkbeitragszentrale mit. „In Mecklenburg-Vorpommern waren Ende 2025 rund 91 Prozent der 957.659 Beitragskonten ausgeglichen. Etwa 9 Prozent (91.232 Beitragskonten) befanden sich im Zahlungsverzug“, so Gärtner. Auch bundesweit bewege sich die Quote der Beitragskonten im Mahnverfahren bei rund 8 Prozent im Jahr 2025. Der Beitragsservice geht davon aus, dass für die Zahlungsverweigerung weniger politische, sondern eher finanzielle Gründe ausschlaggebend sind.
„Viele Menschen versäumen es auch aus organisatorischen Gründen, pünktlich zu überweisen. Andere sind, etwa wegen Verständnisproblemen oder mangelnden Sprachkenntnissen, bei der Bewältigung ihrer Angelegenheiten auf fremde Hilfe angewiesen und geraten so in Zahlungsverzug“, führt Gärtner aus. Wenn Beitragspflichtige nicht zahlen, leitet der Beitragsservice ein mehrstufiges, schriftliches Mahnverfahren ein: Zuerst erinnert er an die ausstehende Zahlung. Bleibt diese aus, ergeht ein Festsetzungsbescheid, ein vollstreckbarer Titel mit offenen Forderungen nebst Säumniszuschlag. Bei wiederholter Zahlungssäumigkeit erfolgt der Bescheid ohne vorherige Zahlungserinnerung. Bleibt die Zahlung weiterhin aus, wird die Vollstreckung eingeleitet, die sich nach den gesetzlichen Bestimmungen der einzelnen Bundesländer richtet.