Toter Buckelwal im Greifswalder Bodden wird in Stralsund obduziert
Toter Buckelwal wird in Stralsund obduziert

Erneut ist in der Ostsee ein Wal verendet: Ein toter Buckelwal wurde im Greifswalder Bodden vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gefunden. Das etwa sieben Meter lange und rund sieben Tonnen schwere Tier wurde am Donnerstag vor der Südspitze Rügens in der Nähe einer Bundeswasserstraße entdeckt. Eine Obduktion soll nun Klarheit über die Todesursache schaffen.

Kadaver aus dem Wasser gehoben

Am Vormittag hat ein Kran auf der Insel Dänholm vor Stralsund den Kadaver aus dem Wasser gehoben. Anschließend wurde das Tier per Lastwagen etwa 150 Meter bis zum Nautineum, einer Außenstelle des Meeresmuseums, gezogen. Dort steht ein Team von rund zehn Wissenschaftlern zur Vermessung und Sektion bereit.

Der Wal war am Donnerstag um 8.16 Uhr leblos im Wasser treibend der Wasserschutzpolizei gemeldet worden. Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund bestätigte inzwischen, dass es sich um einen Buckelwal handelt. Eine Mitarbeiterin des Meeresmuseums hatte den Tod des Tieres festgestellt. Mitarbeiter der Wasserschutzpolizei und des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Ostsee waren mit mehreren Fahrzeugen im Einsatz, um die Gefahrenstelle zu sichern und die Sicherheit des Schiffsverkehrs zu gewährleisten.

Obduktion soll Todesursache und Herkunft klären

Im Nautineum soll das Tier vermessen und obduziert werden, wie eine Sprecherin des Museums mitteilte. Die Außenschau hat bereits begonnen. Auffällig ist, dass die Haut sehr angeschlagen ist und teilweise schon in Fetzen runterhängt. Es wird geschaut, ob der Wal äußere Verletzungen aufweist. Es werden Abstriche genommen, die später im Labor untersucht werden. Auch die Fettschicht des Wals wird genauestens unter die Lupe genommen, da sie auf den Gesundheitszustand des Tieres schließen lässt. Später werden noch die Organe auf Parasiten untersucht.

Die Obduktion soll zeigen, ob der verirrte Meeressäuger krank war, durch äußere Einflüsse starb oder eines natürlichen Todes starb. Bis die Ergebnisse vorliegen, können ein paar Wochen vergehen. Von der Untersuchung erhofft sich Umweltminister Till Backhaus (SPD) Erkenntnisse darüber, woran solche Wale in der Ostsee sterben und warum die Tiere überhaupt in die Ostsee gelangen.

Buckelwal-Bestand im Atlantik erholt

Backhaus weist darauf hin, dass es Hinweise darauf gibt, dass sich die Walpopulation im Atlantik in den vergangenen Jahren gut erholt habe. Mehr Tiere könnten demnach auch dazu führen, dass mehr von ihnen in die Ostsee gelangen. Zuvor hatte bereits der Meeresbiologe und Greenpeace-Aktivist Thilo Maack im NDR-Interview auf die erhöhte Population im Atlantik hingewiesen: „Der atlantische Buckelwalbestand war auf wenige 100 Tiere durch den internationalen Walfang zusammengeschnurrt und liegt jetzt bei wieder über 20.000 Tieren.“

In diesem Jahr wurden bereits mehrere Tiere gesichtet. Wissenschaftler vermuten, dass sie aus Neugier oder auf Futtersuche in die Ostsee schwimmen und deshalb auch an Wismar vorbeikommen. Ob es sich bei dem toten Tier um jenes handelt, das mehrfach vor Mecklenburg-Vorpommerns und zuletzt vor Polens Küste gesichtet wurde, ist noch unklar, da der Kadaver auf dem Rücken im Wasser trieb. Die Obduktion erfolgt auf dem Sektionsplatz des Meeresmuseums, abgeschirmt von der Öffentlichkeit.