Babywald wird zum Urwald: Großeltern finden ihre Bäume kaum wieder
Babywald wird zum Urwald: Großeltern finden Bäume kaum wieder (14.08.2026)

Im Babywald hinter dem Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg sind die einst gepflanzten Lebensbäume inzwischen zu einem dichten jungen Wald herangewachsen. Eine Familie, die dort zwischen 2012 und später für ihre drei Enkel Bäume gepflanzt hat, findet ihre Bäume im hohen Gras kaum wieder und fragt: „Fühlt sich überhaupt noch jemand dafür zuständig?“ Die kurze Antwort lautet: Ja.

Ein Wald mit Geschichte

Der Babywald entstand ab 2008 als Gemeinschaftsprojekt des Nordkurier, der Stadt, des Klinikums und weiterer Partner. Bei zehn Pflanzfesten setzten Eltern, Großeltern und andere Angehörige nach Angaben von Stadtförster Carsten Düde insgesamt rund 450 Lebensbäume. Nachdem die Fläche nahezu gefüllt war, endeten die Babywald-Pflanzfeste 2014.

Danach kamen bei zwei Schulprojekten weitere Bäume hinzu. Ein Schild erinnert daran, dass Kinder der Neuwoba-Kindergenossenschaft im November 2019 weitere 100 Rotbuchen pflanzten. Heute ist der Babywald frei zugänglich, breite gemähte Wege führen durch den Bestand. Drei große Tafeln am Eingang zeigen die Namen und Geburtsdaten der Kinder, für die hier einst Bäume gepflanzt wurden.

Natur holt sich die Fläche zurück

„Inzwischen ist aus dem Babywald ein ‚Urwald‘ geworden und die Natur ist dabei, sich die Fläche vollends zurückzuholen“, schrieb die Familie dem Nordkurier. Sie erinnert sich noch gut daran, wie stolz die Kinder ihre Bäumchen pflanzten und später deren Entwicklung verfolgten. „Dass heute aber das Gras und das Unkraut so manches Bäumchen überragt, gibt keinen so schönen Anblick her.“

Ein Besuch Ende Juli zeigt zwar keine fein herausgeputzte Parkanlage, aber auch keine Verwahrlosung. Müll, Vandalismus oder größere Schäden sind nicht zu erkennen. Schutzpfähle und Anbindungen zeigen, dass auch später noch gepflanzt und gepflegt wurde.

Pflege und Zukunft

Vor allem in den ersten Jahren machte der Babywald viel Arbeit, erinnert sich Carsten Düde. Weil die Fläche etwas erhöht liege und Wind und Sonne ausgesetzt sei, mussten die jungen Bäume intensiv gewässert werden. Die Stadtförsterei mähte außerdem regelmäßig zwischen den Setzlingen und ersetzte einen Großteil der ausgefallenen Bäume. Das sei heute nicht mehr nötig, erklärt Düde, weil die Kronen allmählich dichter würden und weniger Licht auf den Boden falle. Die Wege würden weiterhin ein- bis zweimal jährlich freigeschnitten, um den Schnullerbaum kümmere sich das Klinikum.

Dass einzelne Flächen wilder aussehen als früher, ist damit kein Zeichen, dass die Stadt den Babywald aufgegeben hat – es gehört zum ursprünglichen Ziel. Künftig soll die Fläche in die reguläre Pflege des Stadtwalds aufgenommen werden. Auch der Zaun soll eines Tages verschwinden: Er schützte die jungen Bäume vor Wildverbiss, wird aber mit zunehmender Größe des Bestandes nicht mehr benötigt.

Herausforderungen und Zuordnung

Ganz problemlos entwickelte sich der Wald dennoch nicht. Der Untergrund ist stellenweise durch frühere Bauarbeiten gestört. Besonders auf einer kleinen Fläche rechts hinter dem Eingang müssten die Bäume noch kämpfen, sagt Düde. Einige Eichen wurden wegen des Baus des benachbarten Hubschrauberlandeplatzes umgesetzt. Auch die anfangs gepflanzten Traubeneichen kamen mit dem Standort nicht immer gut zurecht.

Eine dauerhafte Kennzeichnung jedes einzelnen Lebensbaumes war aus forstlicher Sicht nie vorgesehen. Es sollte vermieden werden, so der Stadtförster, dass ein bestimmter Baum auf Jahrzehnte verbindlich einem Kind zugeordnet werde – schließlich können Setzlinge eingehen, ersetzt oder umgesetzt werden. Als Kompromiss erhielten die Familien damals Namensschilder aus Papier, die jedoch mit der Zeit verwittern sollten. Dauerhaft erhalten blieben die Namen und Geburtsdaten auf den großen Tafeln.

Wer dazu weitere Fragen hat, könne sich direkt an den Stadtförster wenden, sagt Carsten Düde. Mit der Entwicklung des Babywaldes ist er zufrieden. Trotz der Trockenheit der vergangenen Jahre seien die meisten Bäume vergleichsweise vital und hätten sich gut durchgekämpft. „Wir haben die Fläche als Wald gut etabliert“, sagt Düde: „Das wird ein schöner Mischwald.“