Bernstein, das fossile Harz, fasziniert seit Jahrtausenden. Besonders nach kalten, stürmischen Nächten werden die hellbraunen Bröckchen an den Küsten angespült. Hier erfahren Sie, wie Sie das „Gold des Meeres“ finden und erkennen.
Wann und wo nach Bernstein suchen?
Speziell im Herbst und Winter, nach stürmischen Nächten mit auflandigen Winden, haben aufmerksame Strandbesucher mit etwas Glück Erfolg. Das fossile Harz treibt nur nach oben, wenn das salzige Meerwasser kalt ist und dadurch eine große Dichte besitzt. Im Sommer bei warmem Wasser sind die Aussichten schlecht.
Gute Chancen bestehen an den Stränden Mecklenburg-Vorpommerns, vor allem auf Fischland-Darß-Zingst, Hiddensee, Rügen und Usedom. An der schleswig-holsteinischen Ostseeküste gibt es dagegen kaum Bernstein. An der Nordseeküste lohnt sich die Suche auf der Düne von Helgoland, im Watt vor St. Peter-Ording und vor Büsum sowie an den Stränden der Ost- und Nordfriesischen Inseln. In einigen Orten werden Führungen angeboten, und in Wintermonaten veranstalten Seebäder Events, bei denen Urlauber Bernstein suchen und zu Schmuck verarbeiten können.
Bernstein mit UV-Licht und genauer Beobachtung finden
Zwischen Sand und Muscheln verstecken sich Bernsteine. Sammler sollten nach Herbst- und Winterstürmen losziehen, am besten früh morgens, da dann oft andere Sucher unterwegs sind. Eine UV-Taschenlampe mit Schutzbrille ist nützlich: Bernstein beginnt im Dunkeln weiß zu leuchten. Meist versteckt er sich im Spülsaum zwischen Tang, Holz, kleinen Steinen und Muschelschalen.
Echtheitstests für Bernstein
Bernstein gibt es in vielen Farben von bräunlich bis honiggelb, manchmal auch weißlich, hellgelb oder rötlich. Im Vergleich zu echten Steinen ist er leicht und glänzt in der Sonne. Ein Test: Gegen einen Zahn klopfen – ein weicher Ton deutet auf Bernstein hin, gelbe Feuersteine klingen härter. Auch Salzwasser hilft: Bernstein schwimmt oben. Ein Wolltuch-Test: Trockener Bernstein lädt sich beim Reiben elektrostatisch auf und zieht Papierschnipsel an.
Vorsicht vor Phosphor-Verwechslung
Gefährlich wird es, wenn Sammler Phosphor mit Bernstein verwechseln. Phosphor kann sich ab 20 Grad entzünden und schwere Brandwunden verursachen. Die Funde sind glücklicherweise sehr selten. Da die Unterscheidung schwerfällt, sollten vermeintliche Bernsteine zunächst in einer Blechdose oder einem Einmachglas gesammelt werden – nicht in der Hosen- oder Jackentasche.
Geschichte und Mythen um Bernstein
Bereits vor 10.000 Jahren stellten Vorfahren Schmuck aus Bernstein her. Priester verbrannten ihn wegen des aromatischen Dufts wie Weihrauch. In der Antike war er ein begehrtes Handelsgut, im Mittelalter glaubte man an magische Wirkung als Schutz vor Hexen und Dämonen. Noch heute wird eine heilsame Wirkung bei Hautkrankheiten und Zahnschmerzen vermutet, etwa bei Kleinkindern durch Bernsteinketten.
Die ältesten Bernsteine der Welt sind 400 Millionen Jahre alt. Baltischer Bernstein, der an Ostsee- und Nordseestränden angespült wird, entstand vor etwa 40 bis 50 Millionen Jahren aus dem Harz subtropischer Nadelwälder.