In Nonnevitz im Norden Rügens können Gäste Urlaub wie im DDR-Betriebsferienlager machen. Der Betreiber Candy Dassler vermietet dort 13 weitgehend originalgetreue Bungalows des Typs B 34, die unter Denkmalschutz stehen. Das Konzept sei einfach: „Weniger ist mehr“, sagt Dassler. Die Bungalows seien bei seiner Übernahme vor fast zehn Jahren fast „100 Prozent DDR“ gewesen – „von der Kaffeetasse bis zur Tapete bis zur Lampe“.
Authentisches DDR-Ambiente und Kindheitserinnerungen
Dassler verbindet mit den Bauten die schönste Zeit seiner Kindheit. „Die es noch kennen, die werden sich auf jeden Fall erinnern“, verspricht er. Auch der Nachwuchs komme „aus dem Staunen nicht heraus“. Die Bungalows wurden als Bausatz vom VEB Vereinigte Bauelementewerke Henningsdorf geliefert und in den 1970er Jahren in Eigenleistung aufgebaut. Schon damals habe es hohe Anforderungen gegeben: „Der Waldboden durfte nicht versiegelt werden, die mussten auf Stelzen stehen“, nennt Dassler ein Beispiel.
Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (LAKD) begründet den Denkmalschutz mit dem hohen Seltenheits- und Zeugniswert des Ensembles. Die Bungalows seien „anschauliche Zeugnisse für den Tourismus in der DDR seit Mitte der 1970er Jahre“. Sie zeigten, „wie ein staatlicher Arbeitgeber mit Unterkünften an der Ostsee für die Erholung seiner Beschäftigten im Sommer sorgte“.
Persönlicher Bezug und DDR-Geschichte
Dassler benannte die Anlage nach der benachbarten Betriebsferienanlage der VEB Rationalisierung Gera, in der er selbst als Kind Urlaub machte. Er betont, es gehe ihm nicht um politische Verherrlichung: „Ich bin, glaube ich, der Letzte, der irgendwas verklärt.“ Seine DDR-Vergangenheit sei „bewegt“ gewesen, einschließlich Stasi-Akte und Stasi-Verhör. Zum authentischen Erlebnis gehören Angebote wie Schulküche dreimal pro Woche mit Gerichten wie Senfei oder Soljanka sowie ein Kiosk mit Ostprodukten, Trabis mit Dachzelten und DDR-Wohnwagen.
Das LAKD ordnet die Ferienbauten in den historischen Kontext ein: In der Ära von Erich Honecker sollte der Tourismus zeigen, dass sich das Leben im Sozialismus verbesserte. Gleichzeitig dokumentierten die Bauten, „dass auch der Tourismus eingebunden war in die umfassende staatliche Kontrolle aller Lebensbereiche“. An der Ostseeküste habe es Einschränkungen und Verbote gegeben, etwa Boote oder Luftmatratzen auf der Ostsee zu nutzen, um die sogenannte Republikflucht zu verhindern.
Streit mit dem Landkreis um Sanitärgebäude
Dassler liegt seit längerem mit dem Landkreis Vorpommern-Rügen im Clinch. Die Verwaltung hat ein von ihm errichtetes Sanitärgebäude versiegelt, da in dem Küstenschutzbereich und Wald nach Ansicht des Landkreises kein gültiges Baurecht besteht. Auch die Nutzung mobiler Sanitäranlagen wie Dixi-Toiletten wurde untersagt. Für das strittige Gebäude liegt dem Landkreis seit kurzem ein Bauantrag zur Prüfung vor; der Ausgang sei abzuwarten. Grundsätzlich begrüße der Landkreis Freizeit- und Erholungsangebote in der Region, verwies aber auf die Einhaltung geltenden Baurechts.