Mitten im Wald bei Weggun stehen Wohnblöcke. Dahinter liegen Reste eines Militärstandorts, überwucherte Wege, Hallen und ein Bunker. In der Umgebung war für das Gelände der Name „Marmeladenfabrik“ im Umlauf.
Ob der Name tatsächlich als Tarnname entstand oder eher dem Soldatenjargon entsprang, lässt sich heute nicht mehr genau sagen. Hinter der Bezeichnung stand bis zur Wende ein Standort der DDR-Luftverteidigung mit Boden-Luft-Raketen.
Ein Standort mit Wohnsiedlung
Die Wohnblöcke gehörten zum Militärstandort. Dort lebten die Familien der Berufssoldaten, die in der Raketenstellung Dienst taten. Die Waldsiedlung war Teil der Anlage.
Nach der Wende verfiel ein großer Teil der Siedlung. Noch Mitte der 2010er Jahre war sie jedoch nicht vollständig aufgegeben; einzelne Wohnungen wurden wieder genutzt. Eine umfassende Sanierung blieb aus.
Bauarbeiten unter strenger Geheimhaltung
1961 begannen in der Gemarkung Zerwelin umfangreiche Bauarbeiten unter strengen Sicherheitsvorgaben. Entstanden sind die Feuerstellung und das Kasernenobjekt für die 4. Abteilung des Fla-Raketenregiments 17, später FRR 23. Der zivile Name lautete „NVA-Dienststelle Weggun“, die taktische Bezeichnung zunächst Fla-Raketenabteilung 174, später FRA 234.
Mit dem Bau der Wohnblöcke für die Familien der Berufssoldaten bekam das Gebiet die Anschrift „Weggun-Waldsiedlung“. Der Standort soll der Bevölkerung damals als Marmeladenfabrik erklärt worden sein. Im Umland glaubte das kaum jemand.
Raketenstellung hinter dem See
Der eigentliche militärische Bereich lag hinter dem Petznicksee, auch Zerwelin-See genannt. Dort waren bis zur Wende Boden-Luft-Raketen stationiert, die Luftziele im Raum Berlin hätten bekämpfen können. In Richtung Naugarten gab es im Wald zusätzlich eine Scheinstellung, also eine Attrappe zur Täuschung aus der Luft.
Kino, Konsum und Sperrgebiet
Zur Anlage gehörten nicht nur Bunker und Hallen. Es gab auch einen Konsum, eine Gaststätte und ein Kino. Für die Kinder der Waldsiedlung gehörte das zum Alltag. Bei den Sonntagsvorstellungen liefen unter anderem „Hase und Wolf“ und „Robinson Junior“.
Das Gelände galt als Sperrgebiet. Selbst Verwandte mussten für einen Besuch angemeldet werden. Nach außen blieb der Standort streng abgeschirmt.
Als die NVA ausrücken musste
Im Winter 1978/79 bekam der Standort für die Umgebung eine praktische Bedeutung. Mehrere Orte waren damals von der Außenwelt abgeschnitten, darunter Weggun, Schönermark, Fürstenwerder, Parmen, Warbende und Wilhelmshof. Die NVA aus Weggun stellte mit zwei Kettenfahrzeugen die Versorgung sicher.
Aus den späten 1980er Jahren ist außerdem ein Waldbrand in der Raketenstellung überliefert. Die Lage galt als heikel.
Was vom Gelände blieb
Auf dem Gelände stehen bis heute bauliche Reste aus der Zeit des Kalten Krieges. Erhalten sind unter anderem Kasernengebäude, Kfz-Hallen und ein großer Raketenbunker. Historische Beschreibungen nennen außerdem Teile der Betankungsanlage mit Füllstutzen, an denen Flüssigraketen vor dem Weitertransport zur Startstellung aufgefüllt wurden.
Zwischen Bäumen und Gestrüpp sind noch immer Betonflächen, Hallenreste und der Bunker zu erkennen. Tarnanstriche halfen schon zu DDR-Zeiten dabei, die Anlage im Wald verschwinden zu lassen. Heute ist vieles zusätzlich überwuchert.
Nach der Wende verfiel vieles
Nach 1990 endete die militärische Nutzung. Gebäude wurden leergezogen, manches verfiel, vieles verschwand. Für frühere Bewohner blieb die Waldsiedlung dennoch ein Ort mit starken Erinnerungen.
Zur Geschichte des Standorts gehört auch das Forsthaus am See. Zu DDR-Zeiten diente es als Jagdhaus von General Stechbarth, dem Chef der Luftverteidigung.