Der Comedian Herr Schröder tritt am 12. und 13. September im Haus der Kultur und Bildung (HKB) in Neubrandenburg auf. Im Vorfeld sprach Frank Wilhelm mit ihm über die Herausforderungen des Lehrerberufs, die Unterschiede zwischen ost- und westdeutschem Publikum und die Bedeutung der Grundschullehrer.
Unterricht versus Bühne
Auf die Frage, ob es schwerer sei, einen Saal voller erwartungsvoller Zuschauer zu unterhalten als eine Klasse bei Laune zu halten, antwortet Herr Schröder: „Es ist natürlich mit Abstand schwieriger, eine Klasse mit Schülerinnen und Schülern bei Laune zu halten.“ In der Schule sei alles, was schulisch ist, schwierig und werde mit größter Skepsis wahrgenommen. Die Schule habe das Problem, dass sie absichtsvoll daherkomme. Sobald Schüler das mitbekämen, seien sie erst einmal vorsichtig. Aber auch einen Saal mit Erwachsenen zu unterhalten sei nicht leicht, da diese auf andere Dinge achten würden.
Ängste und Erinnerungen an Neubrandenburg
Auf die Frage nach typischen Berufsalbträumen von Comedians sagt Herr Schröder: „Ich glaube, es ist noch schlimmer, davon zu träumen, auf die Bühne zu müssen und keine innere Aussage parat zu haben.“ Es sei eine ständige Angst, kein inneres Recht zu haben, auf der Bühne zu stehen, und natürlich die Stille im Saal.
Seinen letzten Auftritt in Neubrandenburg hatte er im Mai 2019. Er erinnert sich, dass die Bühne wunderbar zentral im Herzen der Stadt gelegen ist. Neubrandenburg gehöre zu den Orten, in die er immer wieder gerne komme, weil die Stimmung der Leute passe.
Ost- und westdeutsches Publikum
Herr Schröder nimmt deutliche Unterschiede zwischen seinem Publikum in Ost- und Westdeutschland wahr. „Das ostdeutsche Publikum kann besser zuhören, konzentrierter zuhören“, sagt er. Dadurch verstehe es mehr literarische und metaphorische Anspielungen. Wenn er beispielsweise aus dem „Faust“ zitiere, werde das eher in Neubrandenburg und Leipzig verstanden. Bei der Interaktion mit dem Publikum funktioniere das jedoch besser im Kölner Raum. Im Rheinland werde er oft etwas schneller akzeptiert, während das Publikum hierzulande vielleicht etwas zurückhaltender sei.
Seit der Coronazeit interagiert er intensiver mit den Besuchern. „Die Interaktion mit meinem Publikum ist immer am spannendsten“, erklärt er. Er breche sein eingelerntes Programm hin und wieder auf, um zu schauen, was in den Leerstellen passiere. Das sei im Unterricht genauso: Spannend sei der Moment, der dem Zufall eine Chance gebe.
Schulen im Publikum und das Leitbild
In seinem Programm passiere immer etwas, wenn sich Lehrer oder Schüler im Publikum melden oder jemand zu spät in den Saal komme. Er nehme sich immer ein oder zwei Schulen an den Auftrittsorten vor und verlese deren Leitbild – mit „d“ geschrieben. Dabei gehe es ihm um Wertschätzung und darum, dass alle lachen können.
Viele Lehrer schreiben ihm vor dem Auftritt, dass sie kommen, und teilen ihm ihre Schule mit. Manchmal fragt er im ersten Teil des Abends, welche Schulen anwesend sind, um in der Pause das Leitbild zu recherchieren. So bekomme er einen kleinen Einblick ins reale, regionale Leben.
Vom Lehrer zum Comedian
Den Wechsel vom Lehrer zum Comedian hat Herr Schröder nie bereut. Er vermisse aber die Energie der Schüler im Klassenzimmer am Morgen. Deshalb besuche er bewusst möglichst viele Schulen, etwa für Projekte, zu denen er eingeladen werde. Das sei aber nicht das, was eigentliche pädagogische Arbeit bedeute.
Eine Lanze bricht er für die Grundschullehrer: Er wäre nicht in der Lage, die Begeisterungsfähigkeit der Kinder jeden Tag weiterzutragen und zu schützen. „Die Kleinen weinen, wenn die Ferien beginnen“, sagt er. Die ersten bis vierten Klassen seien die kritischen Klassen, dort würden die Grundlagen gelegt. In Schweden und vielen anderen Ländern kämen Lehrer mit den besten Examensnoten in die untersten Klassen. In Deutschland gebe es dagegen den akademischen Ansatz, dass die bessere Bildung die besser bezahlte sei.
Grundschullehrer unterrichten keine vorsortierten Klassen, sondern haben 30 völlig verschiedene Schüler vor sich sitzen. Er vergleicht das mit einem Nanu-Nana-Laden, in dem es Schneekugeln aus dem Harz, Seifenspender wie das Brandenburger Tor und Wurfzelte von Marvel gibt. Eine Gymnasialklasse zu unterrichten, sei dagegen wie Gassigehen mit einem alten Mops.
Herr Schröder ist am 12. September (20 Uhr) und 13. September (18 Uhr) im Neubrandenburger Haus der Kultur und Bildung zu erleben. Am 11. September um 20 Uhr gastiert er im Stahlpalast in Brandenburg. Karten für Neubrandenburg gibt es unter anderem im Ticketcenter im HKB sowie beim Nordkurier. In Schwerin tritt er erst am 27. November 2027 auf.