Einzigartiges Programm in Neubrandenburg
Wenn Roman Knižka Anfang September die Bühne der Neubrandenburger Konzertkirche betritt, wird er ein anderes Programm als in den übrigen Tourneeorten aufführen. Der Schauspieler und das Bläserquintett Opus 45 haben ihr Literaturkonzert „Deutschland, siehst du das nicht?“ eigens um ein Kapitel zur Geschichte Neubrandenburgs erweitert. Es wird die einzige Aufführung in dieser Form bleiben.
Lokale Geschichte im Fokus
„In Neubrandenburg wird aus Reichsgeschichte Stadtgeschichte“, sagt Knižka. Das Programm richtet den Blick auf Ereignisse, Zeitungsberichte und Entwicklungen vor Ort zwischen 1929 und 1933. Dafür wurden historische Quellen aus Neubrandenburg ausgewertet, ergänzt um einzelne Bezüge zum Greifswalder Blutsonntag von 1932.
Das Programm erinnert unter anderem an einen „Deutschen Abend“, den zeitgenössische Zeitungen als machvolle Kundgebung feierten, und an den frühen Aufstieg der Nationalsozialisten in Neubrandenburg. „Hier entstand der erste SA-Sturm im Land Mecklenburg-Strelitz“, sagt Knižka. „Spätestens 1931 war die NSDAP auch institutionell die stärkste politische Kraft der Stadt.“ So wird sichtbar, wie sich der Niedergang der Weimarer Republik auch in Neubrandenburg widerspiegelte.
Literatur und Musik aus der Weimarer Zeit
Der aus vielen Fernsehproduktionen bekannte Schauspieler arbeitet seit vielen Jahren mit Opus 45 zusammen. Gemeinsam verbinden sie Literatur und Musik zu Programmen über deutsche Geschichte. Besonders interessiere ihn, wie hellsichtig Autoren wie Kurt Tucholsky, Mascha Kaléko oder Erich Kästner ihre Zeit beschrieben hätten, sagt Knižka.
Begleitet wird seine Lesung von Musik aus den letzten Jahren der Weimarer Republik: Werke von Hanns Eisler und Kurt Weill treffen auf Swing von Cole Porter und Schlager der Comedian Harmonists.
Bühne als besondere Herausforderung
„Für mich als Schauspieler ist dieses Format besonders reizvoll, weil es eine ganz andere Konzentration verlangt als Dreharbeiten fürs Fernsehen“, sagt er. Vor der Kamera arbeite man oft in kleinen Momenten, in Einstellungen, in Nahaufnahmen. „Auf der Bühne entsteht alles im Augenblick – mit dem Publikum, mit dem Raum, mit der Musik.“
Konzertdetails
Das Konzert „Deutschland, siehst du das nicht?“ beginnt am Sonntag, 6. September, um 18 Uhr in der Konzertkirche. Der Eintritt ist frei.