Putzarer See: Tausende Enten und Gänse rasten wieder im Flachsee
Putzarer See: Tausende Enten und Gänse rasten wieder

Der Putzarer See in Vorpommern ist ein bedeutendes Naturschutzgebiet und Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten in Mecklenburg-Vorpommern. Tausende Enten und Gänse rasten wieder auf diesem Flachsee.

Schutz seit 1958

Die Unterschutzstellung des Putzarer Sees zum Naturschutzgebiet erfolgte bereits am 16. Januar 1958. Dass es sich lohnt, die Natur zu schützen, wissen die Menschen schon lange. Ganz offiziell machten aber die USA im Jahr 1872 den Anfang. Sie zeichneten damals das Gebiet rund um den Yellowstone River im Bundesstaat Wyoming als weltweit ersten Nationalpark aus.

Knapp 50 Jahre später wurde in Deutschland am 9. August 1921 das Neandertal bei Düsseldorf, heute die Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen, als erstes Naturschutzgebiet nach Preußischem Recht festgesetzt. Bereits am 30. März 1925 wurde an der Nordspitze der Insel Usedom das älteste Naturschutzgebiet Mecklenburg-Vorpommerns „Peenemünder Haken, Struck und Ruden“ eingerichtet.

Geschützter Naturraum nach EU-Recht

Das Naturschutzgebiet Putzarer See mit einer Fläche von 460 Hektar befindet sich zwischen Friedland und Schwerinsburg im Landgrabental. Der Schutz dient dem Erhalt eines Flachsees mit breitem Verlandungsgürtel von Schilf und Seggen, Bruchwäldern, angrenzenden Durchströmungsmooren mit Torfstichen, sowie gesteinsreichen Hutungsflächen als überregional bedeutsames Durchzugs- und Rastgebiet für Wasser- und Sumpfvögel und als Lebens- und Brutraum für bestandsgefährdete und vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Es ist als Feuchtgebiet von nationaler Bedeutung, sowie als europäisches Vogelschutz- und FFH-Gebiet eingestuft, also ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet und damit ein geschützter Naturraum nach EU-Recht.

Zusammen mit anderen Schutzgebieten bilden sie das europaweite Schutzgebietsnetz Natura 2000. Der See hat eine Länge von 2,5 Kilometern und eine Breite von einem Kilometer. Vor rund 90 Jahren wurde der Landgraben südlich um den See gelegt, um die Abwässer aus den Fabriken Friedlands umzuleiten. Doch in den letzten zehn Jahren hat die Trockenheit dem Gewässer sehr zu schaffen gemacht, sodass der See zwischenzeitlich vollkommen trockenfiel.

Das machte in Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde V-G den Einsatz des THW notwendig. So wurde eine Verbindung zum Landgraben geschaffen, damit Wasser einfließen konnte. Diese wurde später wieder verdichtet. Heute hat der See eine Wasserhöhe von 25 Zentimetern.

Vogelbestand am See

Im NSG werden seit rund 70 Jahren Vögel erfasst. So wurden schon zehn Brutpaare Höckerschwäne, bis zu zehn Paare Haubentaucher, 25 Paare Stock- und bis zu zehn Brutpaare Löffelenten, sowie 70 Brutpaare Graugänse und 20 Brutpaare Blässrallen gezählt. Aber auch sehr seltene Arten in unserem Bundesland wurden gesichtet – so die rotbraune Moorente mit dem weißen Flügelspiegel und die rotschnäblige Kolbenente mit dem großen feuerfarbenen Kopf. Von dieser Tauchente wurden drei Paare nachgewiesen.

Auch für Limikolen, also Sumpf- und Watvögel, ist der See ein bedeutendes Rastgewässer. Der taubengroße schwarz-weiße Kiebitz ist nicht nur mit bis zu drei Paaren Brutvogel, sondern auch die Rastzahlen sind mit bis zu 2200 an einem Tag sehr hoch. Auch die Bekassine brütet im Sumpfbereich mit mehreren Paaren. Dieser Schnepfenvogel mit dem sehr langen Schnabel zum Stochern im Moor nach Insekten wird wegen seines meckernden Fluggeräuschs bei seinen Balzflügen auch Himmelsziege genannt.

Der Westteil des Sees mit den weiten Sumpfflächen ist ein wichtiger Lebensraum für die drei deutschen Weihenarten. Diese Greife, also die Rohrweihe mit sechs Brutpaaren, die Wiesenweihe mit einem Brutpaar und die Kornweihe mit Brutverdacht, bauen Bodenhorste aus Schilf. See- und Fischadler jagen regelmäßig am See. Aber auch der sehr seltene Schreiadler ist hier Gast. Bei den Singvögeln gibt es einige Besonderheiten, denn hier brüten bis zu 25 Paare Bartmeisen im Schilf, ein Paar Beutelmeisen an einer Birke und bis zu zehn Schlagschwirle in dichten Büschen. Das bedeutet für den unscheinbaren braunen Singvogel der Buschregion, der aus dem Osten eingewandert ist, Deutschlandrekord.

Im Abschnitt Beberhorst konnten vor 15 Jahren noch der Sumpfenzian und die Steifblättrige Knabenkrautorchidee nachgewiesen werden. 2025 und 2026 untersuchte ich diesen Bereich mit dem Naturführer Mario Fürstenberg, doch beide Arten scheinen verschwunden zu sein.

Wer dem wundervollen Klang der Umwelt lauschen und beim Anblick von Wildsäugern, Adlern, Silberreihern und Blühwundern Stress abbauen möchte, kann bei einer geführten Naturwanderung Kraft tanken. Anmeldung bitte unter 015156074311.