Die studierte Nautikerin Marie Grasmeier hat 2023 in Sassnitz auf Rügen die Mayday Academy gegründet, eine Aus- und Weiterbildungseinrichtung für die Seefahrt. Zuvor unterrichtete sie einige Jahre an der Universität Bremen. Die Einrichtung ist eine von fünf Ausbildungsstätten für Seefahrt in Deutschland, aber die einzige mit Verbindung zur zivilen Seenotrettung.
Ausbildung für den Ernstfall
An der Mayday Academy erhalten Menschen eine Sicherheitsgrundausbildung, bevor sie an Bord von Schiffen gehen. Sie lernen unter anderem auch, wie man Menschen aus Seenot rettet. Die Erfahrung dafür bringt Grasmeier selbst mit: Im Herbst 2016 war sie als Mitglied der Organisation „Jugend Rettet“ im Mittelmeer im Einsatz.
Die Streamingplattform Netflix hat einen Film über die Organisation und ihre Rettungsmissionen produziert. Der Film „23.000 Leben“ basiert auf einer wahren Begebenheit und ist seit kurzem auf Netflix zu sehen.
Drei Wochen auf der Iuventa
In den Jahren 2016 und 2017 war die Crew von „Jugend Rettet“ an der Rettung von mehr als 23.000 Menschen beteiligt. Marie Grasmeier war im Herbst 2016 drei Wochen lang dabei – als eines von 13 Besatzungsmitgliedern auf dem Seenotrettungsschiff Iuventa. Sie half, Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten, musste aber auch erleben, dass Hilfe manchmal zu spät kam.
„Wir mussten einmal eine Wasserleiche bergen … ich war Ausguck, musste alles mit anschauen. Da hatte ich wirklich Angst, diese Erinnerung nicht mehr loszuwerden, diese Bilder nicht mehr loszuwerden“, erinnert sie sich. Gleichzeitig blieb das Gefühl, wenn sie die Geretteten an die italienische oder maltesische Küstenwache übergeben konnte. „Der Albtraum war vorbei“, beschreibt sie es.
Emotionen nach dem Film
Die Netflix-Doku habe viele Emotionen wieder aufgewühlt, viele Szenen hätten sie sehr traurig gemacht, erzählt Grasmeier. Dennoch war sie positiv überrascht von dem Film. Wer die zivile Seenotrettung unterstützen möchte, kann das zum Beispiel über die Seite „Donate | M.V. Louise Michel“ tun.