Die meisten Falter tanzen nur einen Sommer durch Vorpommern. Ihr Leben, das oft als hässliche Raupe im Kriechgang beginnt, ist nicht nur ein glückliches Taumeln von Blüte zu Blüte, sondern zu ihren Pflichten gehört das Bestäuben unzähliger Pflanzen. Wichtige Tagfalterfamilien sind Edelfalter wie das Tagpfauenauge und der Admiral, Weißlinge wie Kohlweißling und Aurorafalter sowie Bläulinge. Letztere fliegen als Dukatenfalter und Große Feuerfalter unter falscher Flagge, denn die nur mittelgroßen Schmetterlinge sind orange bis goldrot.
Der größte Tagfalter Deutschlands ist jetzt auch in MV gelandet
Der größte Tagfalter Deutschlands ist der Große Eisvogel mit beachtlichen 80 Millimetern Flügelspannweite und wird in der Regel in Süddeutschland nachgewiesen. Im Osten Deutschlands lebt er in ausgedehnten, lichten Wäldern mit vielen Zitterpappeln, die als Raupennahrung dienen, vorwiegend in Sachsen-Anhalt. Lange war dieser Falter in MV verschwunden, doch konnte er wieder vereinzelt um Güstrow nachgewiesen werden.
Brauner Waldvogel jetzt auch in Stadtgebieten
Ein noch recht regelmäßig verbreiteter Tagfalter in einigen Revieren, so im Pinnower Forst und der Mellenthiner Heide auf Usedom, ist der unscheinbare mittelgroße Braune Waldvogel. Er ist auch unter dem Namen „Schornsteinfeger“ bekannt und fliegt neuerdings auch im Stadtgebiet von Anklam und Demmin.
Die „Augen“ auf den Flügeln, wie beim Tagpfauenauge, sind falsche Augen. Diese dienen dazu, Fressfeinde wie Vögel abzuschrecken. Dieser Blickfang verwirrt die Angreifer, täuscht durch den starren Anblick oder auffälliges Zwinkern mit den Flügeln ein viel größeres Tier vor. Aber auch andere Edelfalter, wie der in Vorpommern seltene orange-braune Mauerfuchs, der meist regungslos an sonnigen, steinigen Orten oder wie in Spantekow direkt auf Mauern sitzt, zeigt diese Verteidigungsweise.
Auch wenn Schmetterlinge für viele Menschen eine Augenweide sind, sollte man die zarten Wesen grundsätzlich nicht anfassen, da sie dann ihre Flugfähigkeit verlieren. Auf den Flügeln liegen winzige, dachziegelartige Schuppen, die dann zu Staub werden, so dass der Schönling nicht mehr fliegen kann. Nicht alle Tagfalter klappen ihre Flügel zum Sonnen auf, sondern der Kleine Heufalter, sehr häufig in den Wiesen der Zarow und rings um den Galenbecker See, aber auch der Zitronenfalter sind seitliche Absorptionssonner.
Flügel aus Solarfläche
Deshalb sieht man diese oft mit zusammengefalteten Flügeln quer zur Sonne auf Gräsern oder am Erdboden liegen. Die Außenseiten der Flügel werden als Solarfläche genutzt. Dies ist auch entscheidend für die Temperaturregulierung, denn bei Temperaturen über 30 Grad wird der Flugbetrieb eingestellt.
Eine große Besonderheit hat der Schwalbenschwanz, der in dieser Saison sehr selten in Vorpommern fliegt und von mir nur einmal in den Brohmer Bergen am Naturschutzgebiet „Burgwall bei Rothemühl“ am Trockenhang mit den Wildmöhren entdeckt wurde. Dieser gelb-schwarze Falter mit seiner enormen Flügelspannweite von 8 Zentimetern kann offenbar nicht nur mit den Facettenaugen bis zu 5 Meter weit sehen, sondern auch mit seinem Geschlechtsorgan. Vier lichtempfindliche Nervenzellen an der Spitze des Hinterleibes können hell und dunkel unterscheiden, nicht aber Farben und Formen.
Kaum einem der Faltermännchen, bei denen diese Zellen bei Versuchen mit schwarzer Farbe abgedeckt wurden, gelang die Paarung. Offenbar melden diese Lichtsinnesorgane, wenn die Geschlechtsteile in die richtige Position für eine erfolgreiche Kopulation gebracht sind.
Eiablage und Riechen mit Fühlern
Unterschiedlich ist auch die Eiablage. Tagpfauenaugen setzen ihre Eier in großen Gelegen von 100 Eiern ab. Andere wieder, so die Schachbrettfalter an den Hängen des Landgrabentals, lassen ihre Eier sogar im Flug über Wiesen auf den Boden fallen. Eine weitere Besonderheit ist, dass Schmetterlinge mit den Fühlern riechen. Das Männchen erschnüffelt ein Weibchen über viele Kilometer hinweg. Diese dagegen riechen mit den Fühlern die besten Pflanzen für die Eiablage.
Bis zu 800 Eier legt eine Kleidermotte pro Jahr in Textilien ab
Hungrige Nachtfalter fliegen im Dunkeln immer den Fühlern nach. Der Volksmund sagt auch zu denen, die in die gute Stube von uns Menschen fliegen, einfach nur Motten. Bis zu 800 Eier kann ein Weibchen der Kleidermotte pro Jahr in Textilien ablegen. Zwei Wochen später schlüpfen die Raupen und drei Monate danach wird aus dieser ein Schmetterling. Wenn die Motten als Vollinsekt, also Schmetterling sichtbar werden, ist der Lochfraß im guten Pullover schon passiert, denn hierfür sind die Larven, eher bekannt als Raupen, verantwortlich.
Wer dem wundervollen Klang der Umwelt lauschen und beim Anblick von Wildsäugern, Adlern, Silberreihern und Blühwundern Stress abbauen möchte, kann bei einer geführten Naturwanderung Kraft tanken. Anmeldung bitte unter 015156074311.