Bei der partiellen Sonnenfinsternis am 12. August 2026 versammelten sich dutzende Schaulustige auf einem Berg bei Neubrandenburg. Im Landschaftsgarten Broda am Stadtrand beobachteten sie, wie der Mond sich vor die Sonne schob. Trotz der nur partiellen Verdunkelung von 84 Prozent war der Andrang groß.
Erinnerungen an Südtirol
Eine Frau erzählte, dass sie ihre erste Sonnenfinsternis 1999 in Südtirol erlebt hatte. Die Hotelwirtin hatte ihr einen guten Aussichtspunkt empfohlen. Das Erlebnis auf dem Berg sei einmalig gewesen, damals sahen sie sogar eine totale Finsternis. 27 Jahre später saß sie mit ihrer Tochter im Landschaftsgarten Broda. Auf Decken, Klappstühlen und in einer Strandmuschel warteten die Besucher im Abendlicht auf das Himmelsereignis.
„Aber 84 Prozent sind doch auch ganz ordentlich“, sagte die Frau, die den Termin bereits vor Monaten im Kalender markiert hatte. Sie hatte sich mit silbernen Schutzbrillen und einem Schutzfilter für ihre Handykamera eingedeckt. Ihr Smartphone stand in einem Stativ und nahm das Spektakel auf. „Das Glück ist mit den Vorbereiteten“, zitierte sie ihren Großvater.
Willi und sein Spiegelteleskop
Ein paar Meter weiter stand Wilfried Hohl, genannt Willi, an seinem Spiegelteleskop. Das Gerät war mit Silberfolie abgeklebt, auf seinem Handydisplay konnte er sehen, wie der Mond ein Stück von der Sonne abgenagt hatte. Immer wieder kamen Leute vorbei, um durch das Teleskop zu schauen. „2081 kannst du eine totale Sonnenfinsternis über Mitteleuropa erleben“, rechnete Willi einem Jungen vor. Bald sei er Rentner und wolle dorthin fahren, wo es dunkel wird.
Willi beobachtete auch andere Himmelsobjekte wie Planeten, Nebel und Galaxien. Einem Kumpel hatte er einen Kalender mit Fotos des Pferdekopfnebels geschenkt. Im Mai hatte er an der Broader Höhe das Sternzeichen des Skorpions beobachtet. „Mit den Lichtern ist es besser geworden. Die LED-Straßenlaternen stören zum Glück nicht mehr so“, schätzte er ein.
Zeitraffer und Lochkamera
Maximilian Fromm stand mit seiner Kamera am Stativ, die er erst vor ein paar Monaten für einen Urlaub angeschafft hatte. Jede Sekunde nahm er ein Foto auf, um später ein Zeitraffervideo zu basteln. Seine Freunde saßen daneben auf einer Decke und reichten Melone und Spezi. Ein Kumpel zeigte stolz eine Chipsdose, die er zur Lochkamera umgebaut hatte. „Die Anleitung habe ich auf TikTok gefunden.“ Die Sonne erschien auf dem dünnen Papier am Boden der Dose nur noch als schmale Sichel.
Lucas Wawra hatte dagegen Pech: Die Batterien seiner Videokamera, die er von seiner Oma bekommen hatte, waren nicht geladen. Er stand trotzdem da und genoss mit seiner Gruppe arabisches Gebäck. Auch ohne Kamera war es ein besonderer Abend im August auf dem Berg.