Sowjetarmee wollte Ostsee-Seebad sprengen: Bildband erzählt Geschichte
Sowjetarmee wollte Seebad sprengen: Bildband

Die Sowjetarmee erhielt 1945 den Befehl, die Gebäude in Heiligendamm zu sprengen, weil die Reichsmarine sie als Kadettenschule und Lazarett genutzt hatte. Die Häuser waren bereits beräumt, um Rohre und Leitungen als Reparationsleistungen nach Russland zu verschicken, als deutsche Behörden die Sprengung doch noch verhindern konnten. Das erste deutsche Seebad wurde daraufhin in ein „Sanatorium für Werktätige“ umfunktioniert.

Diese Geschichte ist Teil des neuen Bildbandes „Sehnsucht Ostsee“ von Michael Hecker, der einen profunden Überblick über die Bäderarchitektur von Boltenhagen bis Ahlbeck bietet. Der emeritierte Professor der Universität Greifswald spannt den Bogen vom Kaiserreich bis in die Gegenwart.

Von der Villa Oppenheim bis zur „Aktion Rose“

Ein Beispiel ist die Villa Oppenheim in Heringsdorf: 1883 ließ sie der Bankier Benoît Oppenheim erbauen, zwischen 1908 und 1912 malte Lyonel Feininger dort. 1938 enteigneten die Nazis den jüdischen Bankier, später nutzten sie Rote Armee und Stasi.

Schon vor 1933 warben Hoteliers mit „christlichen Häusern“ und „judenfreien Badestränden“. In der DDR zogen NVA und Stasi in Villen ein. Bei der „Aktion Rose“ 1953 wurden 711 Gebäude durchsucht, 621 konfisziert, um die „Strandbourgeoisie“ zu vertreiben.

Bauboom und Verluste nach der Wende

Der Mangel an Baumaterial in der DDR rettete viele Villen. Doch nach der Wende verschwanden 20 von 51 Villen in Boltenhagen, auch in Bansin fielen Villen und Hotels der Abrissbirne zum Opfer. Heute bedrohen neue Bauprojekte wie der geplante 27-stöckige Turm in Prora oder das „Baltic Island Resort“ mit 2300 Betten den Charme der Seebäder – beide wurden durch Bürgerentscheide gestoppt.