Beim großen Wahl-Forum des Nordkuriers in Güstrow lieferten sich die Spitzenkandidaten der Parteien einen zeitweise hitzigen Schlagabtausch. Der Satz des Abends stammte von AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm: „Wir brauchen Nord Stream.“ Genau dieser Satz ließ Manuela Schwesig (SPD) die Geduld verlieren.
Die amtierende Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern reagierte emotional auf die Aussage. Der Nord-Stream-Untersuchungsausschuss, bei dem auch die AfD mitgemacht hatte, wirkte nach. „Ich finde es sehr unglaubwürdig, dass Sie erst mitmachen, viele Millionen ausgeben und einen kritisieren, dass man auch so einen Kurs gesetzt hat und jetzt selber diesen Kurs fordern und alle anderen an den Pranger stellen“, hielt die SPD-Frau Holm entgegen.
Umfragen zeigen knappes Rennen
Laut aktuellen Wahlprognosen rückt Schwesig mit ihrer SPD immer dichter an den einst klar führenden Holm heran. Wäre heute Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, käme die AfD laut einer aktuellen INSA-Umfrage im Auftrag des Nordkurier auf 36 Prozent. Die SPD erreicht 33 Prozent.
Ausdrücklich hatte sich Schwesig in der Runde mit den anderen Spitzenkandidaten von ihrer früheren Haltung zu Russland distanziert. Es sei ein Fehler gewesen.
Unterstützung für Holm aus der CDU
Unterstützung bekam Holm ausgerechnet von CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters, der Schwesigs Kritik an einer Oppositionspartei kritisierte. Ein Untersuchungsausschuss sei ein legitimes parlamentarisches Mittel, so der CDU-Mann. Sogar den Vorwurf von „KGB-Methoden“ sprach Peters aus. Dabei legte Peters an dem Abend deutlich Wert auf Distanz zur AfD, deutete aber auch vorsichtig Distanz zur Parteiführung in Berlin an. Den Wahlkampf in MV mache man allein. 7 Prozent erlangt die CDU bei aktuellen Umfragen.
Ansonsten ging es bei dem Format, das von den Nordkurier-Reporterinnen Karin Koslik und Verena Lukaschik moderiert wurde, sehr kontrolliert zu.
Themen aus der Losbox
Jeder der sieben Spitzenkandidaten durfte ein Thema aus der Losbox ziehen, las es vor und stellte in zwei Minuten seine Position zum Thema vor. Im Uhrzeigersinn ging es weiter: pro Kandidat 30 Sekunden. Kontrolliert von einem digitalen Timer.
„Mehr Mathe oder mehr Lebenspraxis?“, „Deutschland-Ticket oder Tank-Rabatt“, „Kernkraft oder Windkraft“, „Landleben oder Landflucht“, „Natur oder Industriearbeitsplätze“ – so hießen die Themen, bei denen auch die Kandidaten der kleinen Parteien ihr Profil beweisen konnten.
So kritisierte Hennis Herbst (Linke), dass nicht in Berlin die Mieten am stärksten gestiegen seien, sondern in Rostock. „Um 80 Prozent die letzten zehn Jahre! Das ist doch Wahnsinn.“
Claudia Müller (Grüne) sorgte sich nicht nur um die Natur, sondern auch um die Wirtschaft: „Wir haben die maritime Wirtschaft und das ist nicht nur der Schiffbau und nicht nur die Konverterplattform, wir haben mittlerweile Großindustrien, die an die Kaikante ziehen müssen.“ Man müsse das, was hier sei weiter „stützen und stärken“.
Jakob Schirmer (FDP) unterstrich, dass Mathematik die Grundvoraussetzung sei, um überhaupt nachher im Leben erfolgreich sein zu können. „Das heißt, wir müssen unsere Schulen selbstverständlich darin stärken.“ Sabine Firnhaber (BSW) dagegen betonte die Rolle der „Diplomatie“ im Verhältnis zu Russland.
Konsens bei Migration und AfD
Für die rund 150 Zuschauer der Debatte in der „Das Studio Zwei“-Halle eine spannende Veranstaltung, die ganz am Ende noch einem Höhepunkt zustrebte, als Manuela Schwesig aus der Losbox das Thema Frieden zog. Nicht noch einmal. Beim zweiten Griff zog sie dann „Willkommenskultur oder Abschiebung“.
Auch ein heißes Eisen, doch alle Kandidaten machten klar, dass Ausländer als Fachkräfte in Mecklenburg-Vorpommern willkommen sind, solange sie auch bereit sind, sich zu integrieren und die Sprache zu lernen. Darin besteht ein weiter Konsens.
So wie auch darin, dass niemand – mit Ausnahme des BSW – bereit ist, Gespräche mit der AfD zu führen, wenn es um Koalitionen geht. „Mit Rechtsextremen verhandeln wir nur vor Gericht“, schloss Hennis Herbst seinen Beitrag. Teile des Publikums applaudierten.
Manuela Schwesig sagte, dass sie auch weiterhin mit AfD-Wählern sprechen wolle. Nur Leif-Erik Holm, der zufällig in der Mitte der Debattenrunde saß und bei seinen Beiträgen stets aufstand und zum Publikum schritt, verkündete: „Wir reichen allen die Hände.“
Noch acht Tage haben unentschlossene Wähler nun Zeit, ihre Präferenz zu prüfen: Das enge Rennen zwischen AfD und SPD dürfte bis zum Wahltag weitergehen.