„Wendekind“-Video: Marteria, Finch & Silbermond feiern Neubrandenburg
„Wendekind“-Video: Marteria feiert Neubrandenburg

Das „Wendekind“-Video von Marteria, Finch und Silbermond hat nach weniger als einer Woche auf YouTube mehr als eine halbe Million Aufrufe erzielt. Hinzu kommen fast ebenso viele Streams auf Spotify. In dem Song geht es um die Jugend in Ostdeutschland nach dem Mauerfall, als Kulisse dienten die Plattenbauten von Neubrandenburg.

Marteria lobt Neubrandenburg

Marteria, der mit „Mein Rostock“ bereits seiner Heimatstadt eine Hymne widmete, erklärte auf Instagram, das Video sei „in einer der geilsten Städte, die es überhaupt gibt, in Neubrandenburg gedreht“ worden. Unter einem Foto mit Finch schrieb er: „Was für ein schönes Video direkt aus Neubrandenburg. Danke, dass du uns die Kulisse für Wendekind bereitgestellt hast. Ich liebe diese Stadt und der Song passt einfach perfekt.“

Ein Konzert hat Marteria in Neubrandenburg noch nicht gegeben. 1995 führte er als Kapitän die U13 von Hansa Rostock beim Fußball-Knabenturnier des Nordkurier im Jahnsportforum an. Im Video ist ein Sticker der Neubrandenburger Ultra-Gruppe „Vier Tore Power“ zu sehen.

Gemischte Reaktionen

Viele Fans zeigen sich begeistert. Eine Followerin kommentierte: „Ihr habt mit eurem Lied dafür gesorgt, dass ich meine Heimatstadt doch nochmal mit ein bisschen mehr Liebe wahrnehme.“ Andere kritisieren den Text als zu pessimistisch. Eine Leserin schrieb auf Facebook: „Den 'Wendekindern' stand und steht die Welt offen, wenn man denn wollte. Verfehltes Rumgejammer.“ Eine andere: „Wendekinder, der Ossi, der ewig frustrierte Loser. Darauf soll man als im Osten geborene/r stolz sein? Nein danke.“

Silbermond musste sich für die Zusammenarbeit mit Finch rechtfertigen, da auf der Single auch der Song „Dorfdisko Zwei“ enthalten ist, in dem Finch mit Sexismus und Frauenverachtung rappt. Die Band reagierte am Veröffentlichungstag auf Instagram: Die Botschaft sei ihnen wichtig gewesen, die Arbeit mit „Nils“ respektvoll. Vorbehalte gegenüber seinem Stil verstehe man.

Drehorte und Hintergründe

Finch ist der einzige aus dem Trio, der bereits in Neubrandenburg konzertierte: Im Sommer trat er vor 5000 Fans auf dem Marktplatz auf. Am 26. November will er ins Colosseum kommen. Drehorte waren die Max-Adrion-Straße auf dem Datzeberg, die Neustrelitzer Straße in der Südstadt und die Semmelweisstraße in der Oststadt. Der Betreiber der Facebook-Seite „Quer durch Neubrandenburg“ betonte, die drei hätten sich „auch einen der schöneren Flecke der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg mit Weitblick ausgesucht“.

Einige Szenen entstanden allerdings nicht in Neubrandenburg, sondern im Ruhrgebiet. Die Dortmunder Produktionsfirma mischte Aufnahmen bei, die marode wirken, aber die Ost-Authentizität des Songs nicht beeinträchtigen.

Oberbürgermeister zeigt sich erfreut

Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt kommentierte: „Es freut mich sehr, dass Neubrandenburg in diesem Video gewürdigt wird. Wir stehen selbstbewusst zur Architektur unserer Stadt. Der Text des Liedes beschreibt vieles, was Menschen meiner Generationen bewegt.“ Kritiker bemängeln jedoch, dass dieses Selbstbewusstsein Grenzen habe: Das Hochhaus in der Waagestraße, ein markanter DDR-Bau, soll bis 2024 abgerissen werden. Die Stadt verweist darauf, dass es 1991 als „städtebaulicher Missstand“ deklariert wurde. An seiner Stelle soll ein neues, niedrigeres Wohnhaus entstehen.