Rund 100 Millionen Euro will der Landkreis Vorpommern-Greifswald in diesem Jahr für Investitionen ausgeben, im kommenden Jahr sollen es noch einmal rund 70 Millionen Euro sein. Ausgenommen ist in dieser Betrachtung der geförderte Breitbandausbau, der die Summe sonst noch einmal deutlich nach oben schnellen lassen würde. Die Zahlen markieren einen Paradigmenwechsel im nordöstlichen Vorpommern.
Von der Sparpolitik zur Investitionsoffensive
In den zurückliegenden Jahren hatte sich der Kreis auf das Sparen verstanden, die notwendigen Ausgaben auf ein Minimum zurückgefahren, um die wachsende Verschuldung abzubremsen – mit Erfolg. Allerdings holten die laufenden Kosten alle Sparanstrengungen der zurückliegenden zehn Jahre wieder ein. Landrat Michael Sack zeigte sich davon jüngst im Nordkurier-Interview ernüchtert.
„In einer gesunden Stadt geht man von rund zehn Prozent Investitionskosten am Haushaltsvolumen als Kennzahl aus“, so Finanzdezernent Dietger Wille. Ein Landkreis sei nicht ganz mit einer Kommune gleichzusetzen, doch für den Werterhalt und die wachsenden Aufgaben müsse auch hier Geld in die Hand genommen werden.
Großprojekte von Schulbau bis Katastrophenschutz
Der Landkreis speziell bei Großprojekten, die schon in diesem Jahr teils umgesetzt werden und jeweils mittlere zweistellige Millionensummen einpreisen. Dazu zählen:
- Um- und Neubau am deutsch-polnischen Gymnasium Löcknitz mit geschätzten Gesamtinvestitionen von 34,6 Millionen Euro. Die Auswirkungen zeigen sich aber erst in den folgenden Haushaltsjahren. Gehofft wird auf breite Förderung aus den Sondermitteln für den Schulbau vom Bund.
- Neues Berufsschulzentrum in Greifswald: In den Haushaltsjahren 2026/27 sind 47,5 Millionen Euro von insgesamt 58,4 Millionen Euro Kosten veranschlagt.
- Neues Gefahrenabwehrzentrum in Greifswald: 21 Millionen der insgesamt 34,5 Millionen Euro in den Jahren 2026/27.
Hinzu kommen erste Ausgaben für den Neubau des Kompetenzzentrums für Brand und Bevölkerungsschutz in Gützkow, die Sanierung von Kreisstraßen samt Sonderprogramm, Investitionen in neue Rettungswachen, in die Verwaltungsgebäude in Anklam sowie die Unterstützung für den Brandschutz in den Gemeinden.
Fast drei Viertel kommen auf Pump
Das Augenmaß wolle man trotz der großen Summen und der Notwendigkeit nicht verlieren, so Wille. Es gehe immer darum, was der Landkreis sich leisten könne – denn zur Wahrheit gehöre, dass hinter den 102 Millionen Euro in diesem Jahr rund 72 Millionen Euro Kreditermächtigungen stünden, die den Kreishaushalt in den folgenden Jahren belasten und bedient werden müssten.