Manchmal braucht es im richtigen Moment einen Menschen, der nicht gleich das Handtuch wirft. Als Georg Ihde 1996 beim Zweckverband Schweriner Umland auftauchte, war von der heutigen wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte noch wenig zu ahnen. Der Verband war zerstritten, die Sitzungen von politischen Querelen geprägt, die Schulden hoch und die Kosten ein ständiger Aufreger. Seit der Gründung 1992 hatte es bereits sechs Vorsitzende gegeben. Mehrere Gemeinden überlegten, dem Verband den Rücken zu kehren.
Vom Kurzzeitplan zum Verbandsvorsteher am Hochzeitstag
Georg Ihde war zunächst nicht gekommen, um zu bleiben. „Auch ich wurde geschickt, um die Auslösung von Crivitz zu regeln“, erzählt der heute 82-Jährige. Doch manchmal nimmt eine Geschichte einen anderen Weg. Am 29. März 1996 wurde er zum Stellvertreter im Vorstand gewählt, am 10. Juli desselben Jahres einstimmig zum Verbandsvorsteher – sein Hochzeitstag.
Vom Krisenverband zum soliden Unternehmen
Drei Jahrzehnte später ist aus dem Krisenverband ein wirtschaftlich solides Unternehmen geworden. Investitionen wurden nicht aufgeschoben, sondern nach und nach umgesetzt. Der Haushalt drehte ins Positive, Gewinne stiegen, Kredite wurden getilgt. Heute gehören 39 Gemeinden dazu. 47.075 Einwohner werden auf 850 Quadratkilometern mit Trinkwasser und Abwasser versorgt. 20 Mitarbeiter arbeiten für den Verband. 144,5 Millionen Euro sind seit der Gründung in das Netz geflossen.
Erfolgsrezept: Teamwork und Kostenbewusstsein
Für Ihde liegt der Schlüssel in der Zusammenarbeit: „Das gute Verhältnis zu den Gemeinden ist eminent wichtig. Der Zweckverband ist nur ein Dienstleister. Wir müssen zwischen Wirtschaft und Politik stets den Mittelweg finden. Wir haben nie eine Baumaßnahme gegen den Willen der Gemeinde durchgedrückt.“ Prunk und Prestige gehören nicht zu seinem Wirtschaftsverständnis: „Wir brauchen hier keinen neuen großen Glasbau und ich kein eigenes Büro, ich will doch hier nicht wohnen. Mir reichen ein Tisch und ein Stuhl.“
Auch bei den Mitarbeitern setzt er auf ein Team: „Man muss sich immer nach Partnern und Kollegen umschauen, die mehr können. Dumm bin ich allein genug, mich brauche ich nicht noch einmal. Ich brauche klügere Köpfe.“
Eigenes Team, externe Spezialisten
14 Monteure kümmern sich um Trink- und Schmutzwasser. Spezialisten werden von außen geholt: „Das ist viel effizienter und auch gescheiter. Die Leute, die wir einkaufen, sind Spezialisten, und somit werden unsere Havarien binnen zwei oder maximal vier Stunden behoben. Man kann nicht alles selbst vorhalten, das ist Quatsch.“ Autarkie um jeden Preis hält Ihde für „unvernünftig“. Einer der wichtigsten Partner ist die Stadt Schwerin, die die Wasseraufbereitung übernimmt.
Betriebsleiter Kay Cieslak, seit 1997 dabei, sagt: „Wir haben Glück miteinander gehabt. Der Kunde steht für ihn an erster Stelle. Probleme werden pragmatisch gelöscht und er hört sich auch stets alle Argumente an und wägt weise ab.“
Blick in die Zukunft
Ihde selbst nennt als größtes Lob die regelmäßige einstimmige Wiederwahl. „Sie haben mich im vergangenen Jahr wieder zum Vorsitzenden gewählt. Mir war dieses Ehrenamt nie zu viel.“ Dank gilt der Verbandsversammlung und den Mitarbeitern. „Wir können nicht zaubern, um Preiserhöhungen kommen auch wir nicht umher, wenn die wirtschaftlichen Parameter sich ändern. Wir geben Erhöhungen auch nur weiter, aber klar ist, dass wir seit vielen Jahren im Vergleich mit den anderen Zweckverbänden zu den zweitgünstigsten gehören.“
Ans Aufhören denkt der 82-Jährige nicht. Beim nächsten Vertrag mit Schwerin 2034 würde er gern wieder unterschreiben: „Der Oberbürgermeister ist schon ein neuer, aber ich würde sagen, dass ich den nächsten Vertrag, der 2034 dran ist, auch noch unterzeichne.“