Judith Below ist vierfache Pflegemutter im Landkreis Vorpommern-Greifswald. In einem kleinen Ortsteil im Greifswalder Umland leben drei Familien und mehrere Generationen unter einem Dach. Der weitläufige Hof bietet Platz zum Spielen. Neben Judith Below mit Mann und den Kindern wohnen auch ihre Mutter und ihre Schwester samt Anhang in eigenen Bereichen. 2014 sind sie aus der Hansestadt hierhergezogen, um genau in dieser Konstellation zusammenzuleben. Damals zählte auch der Vater von Judith Below noch dazu, der inzwischen verstorben ist.
Seit über 15 Jahren Pflegemutter
Judith Below ist seit mehr als 15 Jahren Pflegemutter. Die gelernte Kinderpflegerin wollte sich ursprünglich als Tagesmutter selbstständig machen, was jedoch nicht gut anlief. Aus der engen Zusammenarbeit mit dem Jugendamt entstand die Idee, Kindern einen sicheren Ort zu bieten, die vorübergehend im Rahmen der Inobhutnahme untergebracht werden müssen. Aus dem zeitlich begrenzten Aufenthalt wurde eine Langzeitpflege. So kamen Moritz* (19), Elisa (17), Ludwig (14) und Luca (3) zu den Belows. Alle waren im Kindergartenalter, als das Jugendamt sie aus dem ursprünglichen Elternhaus nehmen musste. Luca war erst anderthalb. Mit Moritz hat die Pflegemutter sogar schon ihren ersten Schützling zum Abschlussball begleitet. Moritz ist ausgezogen und macht eine Ausbildung bei der Bundespolizei.
Jedes Kind bringt sein eigenes Päckchen mit
„Häufig hätten sie im Vorfeld bei den leiblichen Eltern die Auswirkungen von Alkoholmissbrauch und Drogen, von psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen erleben müssen“, informiert Birgit Müller vom Jugendamt des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Aktuell leben kreisweit 362 Pflegekinder in 284 Pflegefamilien, und die Nachfrage reißt nicht ab. Das Jugendamt sucht dringend nach Paaren oder Einzelpersonen, die Kindern ein familiäres Umfeld schenken können. Interessierte erhalten in einer Erstberatung alle Informationen.
Voraussetzungen für Pflegeeltern
Die Aufnahme eines Kindes ist nicht nur Paaren vorbehalten. Alleinstehende können ebenfalls Pflegeeltern werden. Beim Alter ist die Spanne groß, und auch Berufstätigkeit ist kein Hindernis, solange die grundsätzlichen Voraussetzungen erfüllt werden. Pflegeeltern werden in einem Seminar vorbereitet, etwa zu rechtlichen Fragen. Auch nach der Aufnahme gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Jugendbehörde. Die Pflegeeltern in der Region sind untereinander vernetzt und treffen sich zu regelmäßigen Eltern-Runden.
Rückhalt der Großfamilie
Judith Below kann sich ein Leben ohne „ihre Kinder“ nicht vorstellen. Sie arbeitet seit einigen Jahren wieder in Vollzeit in einer Kinder- und Jugend-Hilfeeinrichtung. Ihr Mann hat ebenfalls einen Fulltime-Job. Für sie sind die wichtigsten Voraussetzungen der Wunsch, mit Kindern zu leben und ihnen Liebe, Gehör und Geborgenheit zu schenken. „Das geht nur ganz oder gar nicht“, ist ihr Credo. Der Rückhalt der Großfamilie und ihrer Freunde ist ihre wichtigste Stütze. Ohne die vielfältige Hilfe hätte sie es nicht geschafft. Der gesamte Familienrat entschied mit, als es um die Aufnahme des jüngsten Nachzüglers ging.
Keine Altersbeschränkung für Pflegeeltern
Wie lange sie weitermachen will, lässt Judith Below offen: „Ich will mir kein Ziel setzen.“ Eine Altersbeschränkung für Pflegeeltern gebe es nicht, so Birgit Müller, dennoch müsse das Generationsmodell aufgehen. Senioren könnten einem Kleinkind zwar vorübergehend helfen, aber kein langfristiges Zuhause bieten. Wer sich für die Aufgabe als Pflegemutter oder Pflegevater interessiert, kann sich unter den Rufnummern 03834 8760-2734, 0171 6994173 oder per E-Mail: [email protected] melden. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Landkreises Vorpommern-Greifswald: https://www.kreis-vg.de/Leben/Kinder-Jugend-Familie/Pflegekinderdienst/