Im Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow hat die Großmutter des Jungen am Freitag vor dem Landgericht Rostock ausgesagt. Die 57-Jährige berichtete von einer brisanten Äußerung ihres Enkels: „Papa war zu Gina böse“, habe der Junge gesagt, als er im Vorschulalter nicht mehr zu seinem Vater wollte.
Zufall führte zu neuem Kontakt zwischen Vater und Sohn
Der im Oktober 2025 getötete Fabian hatte nach langer Ablehnung nur durch einen Zufall wieder Kontakt zu seinem leiblichen Vater bekommen. „Meine Tochter und ich haben uns 2025 in der Urlaubsplanung vertan, deshalb habe ich die andere Großmutter gefragt, ob sie im August 2025 tagsüber auf Fabian aufpassen könnte“, erzählte die Zeugin. Sie habe den Jungen dorthin gefahren, weil dort auch seine Tante und deren Sohn leben. Bei dieser Gelegenheit sei Fabians Tante mit ihm auf der Arbeitsstelle seines Vaters vorbeigefahren, dort sei dann „das Eis zwischen den Beiden wieder gebrochen.“
Beziehung und Trennung von Gina H.
Fabians Eltern hatten sich bereits 2018 getrennt. Gina H. und Fabians Vater waren jahrelang ein Paar, bis der Mann im August 2025 sich von ihr trennte. Er habe gesagt, er stehe „praktisch wie unterm Pantoffel bei ihr“, sagte die Zeugin. Die 30-jährige Reitsportlerin aus Reimershagen steht wegen „heimtückischen Mordes“ an dem Jungen vor Gericht. Sie soll Fabian am 10. Oktober 2025 von zu Hause in Güstrow abgeholt und an einem Tümpel bei Klein Upahl erstochen haben.
Als klar war, dass Fabian einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist, habe man schnell an die Angeklagte gedacht, meinte die Oma. Die 30-Jährige könnte eifersüchtig auf den Jungen gewesen sein, weil der Vater nun wieder mehr Zeit mit seinem Sohn statt für sie habe.
Finanzielle Abhängigkeit und neue Ermittlungsansätze
Laut Anklage soll die Angeklagte mit ihrer Pferdehaltung von ihrem Ex-Freund sowohl finanziell als auch bei anderen Dingen abhängig gewesen sein. Gina H., die von Erwerbsunfähigkeitsrente lebt, nahm allein 2025 an zwölf Reit- und Springturnieren teil. Laut Anklage habe sie die Trennung nicht akzeptieren wollen.
Der 35-Jährige hatte im Prozess erklärt, dass er nun wieder mit der Angeklagten zusammen sei. „Wir haben seitdem keinen Kontakt mehr zu ihm“, sagte die Zeugin. Außerdem könnte ein 37-jähriger Nachbar der Angeklagten stärker in den Fokus rücken. Die Verteidigung regte an, dass Tagesablauf und Autorouten des Bekannten aus Reimershagen erneut geprüft werden müssten. So könnte sich ergeben, dass die heimlichen Treffen von ihm mit der Angeklagten am 9. und 10. Oktober 2025 an zwei Waldseen länger waren, als bisher angegeben, sagte Anwalt Andreas Ohm. Damit würde der gesamte Zeitablauf der Anklage nicht mehr zu halten sein. Auch das Alibi von Fabians Vater soll überprüft werden: Er war am Tattag im Betrieb, soll aber mittags mindestens eine Stunde weg gewesen sein. Ein Förster bestätigte ein kurzes Treffen wegen Holzeinschlags, aber das Fahrzeug des Vaters blieb unklar.
Angeklagte schweigt
Die 30-Jährige schweigt bisher im Prozess, bestreitet die Vorwürfe laut Verteidigung. Sie will sich am 24. August erstmals äußern. Zu den Beweisanträgen müssen Staatsanwaltschaft, Nebenklage und das Landgericht noch Stellung nehmen.