Die Fraktion SPD/Grüne bewertet die Arbeit von Oberbürgermeister Nico Klose nach dessen erstem Amtsjahr in allen vier Kopfnoten sowie im Gesamturteil mit der Note Zwei. Die Fraktion hatte den parteilosen Rathauschef als Kandidaten mitgetragen. In ihren Antworten findet sich kaum ein Vorwurf gegen ihn – dafür zu fast jedem strittigen Punkt eine Erklärung.
Hintergrund der Serie
Seit einem Jahr ist Nico Klose Oberbürgermeister. Zum Jahrestag hat der Nordkurier die fünf Fraktionen der Stadtvertretung gebeten, ihn zu benoten – wie in einem Schulzeugnis. Alle bekamen dieselben Fragen: zehn gleiche und zwei eigene. Darunter zwei Notenfragen – Schulnoten für Fleiß, Betragen, Mitarbeit und Ordnung sowie eine Gesamtnote fürs erste Amtsjahr. Jeden Tag kommt eine Fraktion zu Wort, geordnet nach ihrer Größe. Keine kannte die Antworten der anderen. Am Ende antwortet Klose selbst.
Kloses Amtsstil verteidigt
Kloses stillen Amtsstil lässt der Fraktionsvorsitzende Michael Stieber nicht als Schwäche gelten. Wer die Termine des Oberbürgermeisters verfolge, sehe ihn bei Vereinen, Unternehmen und Stadtfesten – er finde die „öffentliche Bühne oft genug“. Auch die verpasste Bundes-Sportstättenförderung lastet Stieber nicht dem Rathaus an. Auf jeden bewilligten Antrag seien 21 abgelehnte gekommen, das Scheitern liege „zu einem guten Teil“ an dieser Überzeichnung. Die Verwaltung müsse aber jede Chance konsequent nutzen.
Warum es keine Eins gibt
Ihr gutes Urteil begründet die Fraktion mit einem soliden Start. Klose arbeite sich intensiv ein, gehe sachlich mit Mitarbeitern, Stadtvertretung und Öffentlichkeit um und suche den Austausch mit den Fraktionen. Die Verwaltung entwickle sich weiter, für die volle Wirkung brauche es aber Zeit. Ein abschließendes Zeugnis will die Fraktion nach zwölf Monaten noch nicht ausstellen.
Bedingungen für die Milde
An mehreren Stellen knüpft die Fraktion ihr mildes Urteil an Bedingungen. Beim Bau-Turbo, mit dem Klose Bauen, Wirtschaft und Investitionen bündeln will und über kleinere Bauvorhaben allein entscheiden soll, verlangt sie das letzte Wort für die Stadtvertretung und eine frühzeitige Einbindung der Politik. Beim Klimaschutz und der kommunalen Wärmeplanung sehe man zwar Fortschritte, erwarte aber „weiterhin konsequente Umsetzung“.
Hackerangriff und offene Frage
Beim Hackerangriff auf die städtische Wohnungsgesellschaft Neuwoges nimmt die Fraktion Klose in Schutz – der Verweis an das betroffene Unternehmen sei nachvollziehbar gewesen, die Sache zunächst dort zu klären. Offen lässt Stieber allein, ob die Stadtvertretung rechtzeitig unterrichtet wurde. Das werde „jetzt geprüft“.
Rolle der Fraktion
Klose ist nicht der erste Rathauschef ohne Parteibuch, der von der SPD gestützt wird. Auch sein Vorgänger Silvio Witt war parteilos und wurde bei seiner Wiederwahl 2022 von der SPD unterstützt. Klose selbst sitzt als Parteiloser auch in der SPD/FDP-Fraktion des Kreistags Mecklenburgische Seenplatte. Ihre eigene Rolle sieht die Fraktion zweigeteilt: Man habe Klose als Kandidaten unterstützt und arbeite konstruktiv mit ihm zusammen, vertrete aber selbstbewusst die eigenen Positionen und kontrolliere die Verwaltung. „Gerade auch als Korrektiv ist die Fraktion eine verlässliche Partnerin.“