Erfolgsgeschichte: Wie Usedom mit Strand-Jobmesse Fachkräfte gewinnt
Usedom: Jobmesse am Strand lockt Fachkräfte

Der Tourismusverband der Insel Usedom (TVIU) setzt mit seiner „Bleib doch-Kampagne“ erfolgreich auf Fachkräftegewinnung unter Urlaubsgästen. Beim zweiten Vorort-Informationstag auf der Strandpromenade von Zinnowitz präsentierten sich 30 regionale Unternehmen – darunter auch zwei, die selbst durch das Netzwerk ihren Traumjob auf der Insel gefunden haben.

Vom Urlauber zum Aussteller

Cindy Lögow aus Baden-Württemberg entschied sich nach ihrem letzten Sommerurlaub für einen beruflichen und privaten Tapetenwechsel. Die 49-Jährige, die zuvor im Vertrieb tätig war, informierte sich bereits während des Urlaubs über Jobangebote. Die erste Jobmesse verpasste sie zwar, doch über das begleitende Netzwerk fand sie eine Stelle als Geschäftsstellenleiterin des TVIU. Beim Infotag war sie nun als Mitorgansatorin dabei.

Christian Dünow, gebürtig aus Ziethen bei Anklam, besuchte vor genau einem Jahr den ersten Infotag. Bei der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Greifswald (VVG) fand der 52-Jährige eine neue Berufung als Busfahrer für das ILSE-Rufbus-Projekt. Inzwischen wirbt er selbst neue Kollegen an, da der Bedarf mit der Ausweitung des Fahrgebietes gestiegen ist.

Konkrete Umzugspläne und Informationen vor Ort

Der Strom der Strandbesucher riss nicht ab. Einige informierten sich spontan, andere gezielt. Die 46-jährige Katja Schmidt aus Lüneburg, gebürtige Anklamerin, will im Herbst nach Vorpommern ziehen. Als Pflegefachkraft ließ sie sich am Stand der Volkssolidarität Nordost von Pflegedienstleitung Josina Gaulke über Jobmöglichkeiten beraten.

Personalverantwortlicher Bartosz Marchwacki von der Volkssolidarität berichtete, dass der soziale Dienstleister nicht nur über freie Stellen in Pflege, Handwerk und sozialen Berufen informierte, sondern auch über Kita-Plätze und Integrationsmöglichkeiten. Ein Ehepaar aus Sachsen etwa wollte bei einem Umzug die eigenen Eltern mitbringen und erkundigte sich nach Seniorenwohnungen.

Wohnungsmangel als Hindernis

Marchwacki hob das Wohnungsangebot als neuralgischen Punkt hervor. „Wo sollen die Menschen wohnen, die hier durchaus einen Job finden?“, fragte er in Richtung Politik. Zuletzt habe sein Unternehmen über ein Jahr auf den Arbeitseintritt eines Mitarbeiterpaares mit fünfköpfiger Familie warten müssen, weil kein geeigneter Wohnraum gefunden wurde.

Tourismus als Impulsgeber für alle Branchen

Nadine Riethdorf, Vorsitzende des TVIU, und Michael Steuer, Geschäftsführer der Usedom Tourismus GmbH (UTG), begrüßten den Zuwachs an Ausstellern. Besonders freute sie, dass viele Unternehmen aus nicht-touristischen Bereichen neu dabei waren. Die Fachkräftesuche sei längst nicht nur ein Thema der Hotellerie und Gastronomie. Die Touristiker seien Impulsgeber dieses Formats.

Über den Tag hinaus stellen TVIU und UTG das Netzwerk „Leben und Arbeiten auf Usedom“ für Interessierte bereit. Es richtet sich an Urlauber, die nach dem Inselurlaub denken: „Hier könnte ich leben, wenn ich nur den passenden Job hätte“, sowie an Einheimische, die sich beruflich neu orientieren wollen.