Zwischen Neustrelitz und Penzlin ist in diesem Sommer ein mehr als fünf Kilometer langes Teilstück der Bundesstraße 193 saniert worden. Nach Abschluss der Arbeiten zeigt sich: Nahezu der komplette Bereich wurde mit Schutzplanken versehen. Bei regelmäßigen Nutzern der Strecke wirft das Fragen auf.
Übliches Bild an Bundesstraßen, aber zunehmend Kritik
Schutzplanken sind an Bundesstraßen der Region ein übliches Bild, etwa zwischen Waren und Penzlin an der B 192 oder zwischen Neustrelitz und Usadel an der B 96. Dass aber immer mehr Streckenabschnitte diese Fahrzeug-Rückhaltesysteme erhalten, stößt auf Kritik. „Mindestens die Hälfte der montierten Leitplanken sind hier grober Unfug und Steuermittelverschwendung“, sagt Berufspendler Martin Kaiser aus Kratzeburg mit Blick auf den aktuellen Ausbau an der B 193.
Nach Auskunft des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr MV ist der überwiegende Teil komplett neu dazugekommen. Zwischen Neustrelitz und Peckatel seien rund 9,3 Kilometer neue Schutzplanken eingebaut worden. Rund 1,6 Kilometer seien ausgetauscht worden, weil sie nicht mehr den geltenden technischen Anforderungen entsprochen hätten, erklärte Behörden-Sprecher André Horn.
Keine Unfallschwerpunkte, aber neue Gefahren?
Wo Gefahren bestehen, etwa in scharfen Kurven, an Abhängen und entlang von Baumreihen, sei nichts gegen Leitplanken einzuwenden, findet Martin Kaiser. Seiner Erfahrung nach weise die Bundesstraße jedoch weder in Richtung Penzlin noch in Richtung Neustrelitz Unfallschwerpunkte auf. Zunehmend würden Rückhaltesysteme auf langen Streckenabschnitten montiert, wo gar keine Gefahrenquellen vorhanden seien. Vielmehr stelle nun die Leitplanke eine Gefahr dar, und zwar für Motorradfahrer, so Kaiser.
Darauf machte zuletzt auch der Bundesverband der Motorradfahrer aufmerksam. Leitplanken können für stürzende Motorradfahrer, die daran hängen bleiben, zur Todesfalle werden. Eine Studie der Deutschen Versicherer kommt zudem zu dem Ergebnis, dass die Rückhaltesysteme mitunter nicht mehr standhalten, weil Fahrzeuge schwerer und höher geworden sind und die Testnormen für Leitplanken noch aus den 1980er Jahren stammen.
Kein zusätzlicher Schutz für Motorräder an der B193
Auf besonders kurvenreichen oder exponierten Streckenabschnitten können zusätzliche Schutzmaßnahmen vorgesehen werden, wie Schutzelemente an den Pfosten oder ein spezieller Unterfahrschutz, räumt Horn ein. Die Kriterien seien an der B 193 jedoch nicht erfüllt. Die Strecke weise kein auffälliges Unfallgeschehen von Motorradfahrern auf, zusätzliche Schutzmaßnahmen seien daher nicht erforderlich.
Horn merkt zudem an, dass bei der Planung der Rückhaltesysteme nicht allein entscheidend sei, wie sich das bisherige Unfallgeschehen darstellt. „Wichtig ist auch, ob sich dicht neben der Straße Hindernisse befinden. Im betreffenden Abschnitt der B 193 sind dies insbesondere Bäume und Baumhecken. Bei jeder Fahrbahnerneuerung wird deshalb auch geprüft, ob vorhandene Schutzplanken weiterhin den geltenden Anforderungen entsprechen oder ob sie ergänzt, ausgetauscht oder neu errichtet werden müssen“, erklärt er.
Unterschiedliche Auffassungen zum Wildwechsel
Martin Kaiser, der beruflich im Naturschutz unterwegs ist, nennt einen weiteren strittigen Punkt. Seiner Ansicht nach würden die Schutzplanken Wildtieren das Überqueren der Fahrbahn erschweren, was das Risiko von Wildunfällen in dem Bereich erhöhe. Wildwechsel könnten sich nun auf die wenigen Stellen ohne Leitplanken konzentrieren. Oder das Wild schaffe es zwar zwischen die Leitplanken, habe es dann aber nicht mehr so leicht wie früher, die Fahrbahn zu verlassen.
Aus Sicht der Straßenbaubehörde würden ausgerechnet Bereiche mit hohem Wildwechsel bei der Planung von Schutzplanken berücksichtigt. „In Bereichen mit auffälligem Wildwechsel werden Schutzplanken grundsätzlich auf beiden Straßenseiten vorgesehen“, erklärt Horn.