Schulstress belastet Jugendliche in MV besonders stark
Schulstress belastet Jugendliche in MV stark

Jugendliche in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg leiden häufiger unter Schulstress als Gleichaltrige in anderen Bundesländern. Das ergab eine aktuelle Sinus-Jugendstudie im Auftrag der Barmer, bei der bundesweit 2000 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren befragt wurden.

Schule als Hauptbelastungsfaktor

Rund 37 Prozent der Jugendlichen im Nordosten fühlen sich durch schulische Belastungen stark beeinträchtigt. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen sind es 30,5 Prozent, der bundesweite Durchschnitt liegt bei 33 Prozent.

Weitere Stressfaktoren fallen in MV und Brandenburg ebenfalls höher aus als im Bundesdurchschnitt: familiäre Probleme (22 Prozent), psychische Erkrankungen (19 Prozent), Einsamkeit (18 Prozent) und Stress im Freundeskreis (14 Prozent).

Barmer fordert Entlastung im Schulalltag

Henning Kutzbach, Landesgeschäftsführer der Barmer in MV, betont: „Schulstress entsteht häufig nicht durch eine einzelne Ursache.“ Leistungsdruck, Prüfungen, Zukunftssorgen und hohe Erwartungen könnten sich gegenseitig verstärken. Er mahnt: „Die Ergebnisse sind ein deutliches Warnsignal. Schule soll fordern, aber auch fördern und Perspektiven eröffnen. Sie darf nicht zu dauerhafter Überforderung führen.“

Die Barmer empfiehlt Schulen, Leistungsanforderungen transparent zu gestalten, Lernfortschritte konstruktiv zu begleiten und ein positives Klassenklima zu fördern. Auch niedrigschwellige Beratungsangebote, die Vermittlung von Lern- und Stresskompetenzen sowie ausreichend Pausen könnten helfen. Eine bessere Abstimmung von Prüfungen und Abgabeterminen soll Belastungsspitzen vermeiden.

Ministerium setzt auf Resilienzförderung

Das Schweriner Bildungsministerium verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Ministerin Simone Oldenburg (Linke) erklärt: „Die Folgen der Corona-Pandemie wirken bis heute nach. Schülerinnen und Schüler brauchen deshalb nicht nur Unterstützung, wenn es um Lernrückstände geht. Sie brauchen ebenso Selbstvertrauen, soziale Teilhabe und Strategien, wie sie mit Belastungen und Konflikten umgehen können.“

Resilienzförderung soll stärker im Schulalltag verankert werden – mit verlässlichen Strukturen, klaren Regeln und konkreten Hilfen beim Lernen. Eine neue Handreichung des Ministeriums mit dem Titel „Kinder und Jugendliche stark machen für die Zukunft: Resilienzförderung im Schulalltag“ zeigt Schulen Übungen, die sich einfach in Unterricht oder Schulalltag integrieren lassen.

Digitale Sprechstunde für Schüler

Zudem können gestresste Schüler an einer digitalen Sprechstunde des Zentralen Fachbereichs für Diagnostik und Schulpsychologie (ZDS) teilnehmen und vertraulich mit Schulpsychologen sprechen. Anmeldung telefonisch unter 0385 588 7777 oder per E-Mail an [email protected]. Die nächste Sprechstunde ist am Mittwoch, 16. September 2026. Jüngere Schüler bis Klasse 6 können gemeinsam mit Eltern teilnehmen, ältere allein.