Die Warnow-Klinik in Bützow hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Der Klinikbetrieb läuft unverändert weiter, alle Behandlungen finden statt. Die rund 191 Beschäftigten bleiben im Dienst. Das gab die Klinik in einer Pressemitteilung bekannt.
Hintergrund sind seit Jahren anhaltende finanzielle Schwierigkeiten und die laufende Krankenhausreform des Bundes. Die Geschäftsführung sieht in dem Schritt die planmäßige Fortsetzung des vor drei Monaten gestarteten Prozesses. Damals hatte die Klinik ein Schutzschirmverfahren eingeleitet.
Zweite Phase des Sanierungskurses
„Das jetzige Eigenverwaltungsverfahren ist der zweite Teil des angekündigten Prozesses“, erläutert Klinik-Geschäftsführer Marco Krüger. Zum 1. August wurde der Schritt offiziell vollzogen. Löhne und Gehälter wurden in der ersten Phase über die Bundesagentur für Arbeit abgesichert.
Für Krüger ist das Verfahren ein klares Signal des Vertrauens in den Sanierungskurs. Das Hauptproblem liege in der Struktur der bundesweiten Krankenhausreform: „Nach den neuen Vorgaben sind wir ein Kleinstkrankenhaus. In unserer bisherigen Struktur lässt sich der Betrieb nicht mehr kostendeckend führen.“
Sektorenübergreifende Einrichtung beantragt
Die Klinik hat die Umwandlung in eine sogenannte sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung (SÜV) beantragt – für alle 71 Betten des Hauses. Diese Struktur soll stationäre Basisleistungen mit ambulanten, pflegerischen und koordinierenden Angeboten verzahnen. Schwerpunkte sind Innere Medizin, Geriatrie und Palliativmedizin.
Die Crux liegt im Zeitplan: „Der Transformationsswitch könnte zum 1. Januar 2027, vielleicht aber auch erst zum 1. Januar 2028 erfolgen“, dämpft Krüger die Erwartungen. Derzeit wird auf Bundesebene beratschlagt, wie solche Einrichtungen finanziert werden sollen. Da verbindliche Regelungen fehlen, droht eine Finanzierungslücke von bis zu zwei Jahren.
Verhandlungen über Sicherstellungszuschlag
Um die Zeit zu überbrücken, verhandelt die Klinikleitung mit den regionalen Krankenkassen über einen Sicherstellungszuschlag. Diese Ausgleichszahlung soll die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen absichern. Krüger rechnet noch in diesem Monat mit Rückmeldungen.
Bis zum Jahresende läuft der Betrieb uneingeschränkt weiter. Auch für das kommende Jahr sind Behandlungen gesichert – im Rahmen der SÜV-Ausrichtung werden weiterhin ambulante und hybride Operationen angeboten.
Rückhalt in der Belegschaft
Trotz der Hängepartie stehe das Team hinter dem Kurs: „Die Stimmung vor Ort ist stabil“, sagt Krüger. „Ich bin hoch dankbar, dass die Mitarbeiter alle mitziehen.“
Das Verfahren wird begleitet: Die vom Amtsgericht Rostock bestellte Sachwalterin Ulrike Hoge-Peters überwacht den Prozess im Interesse der Gläubiger. Thomas Mulansky ist als Generalbevollmächtigter tätig. Die Warnow-Klinik wurde Anfang 2024 vom Gesundheitsunternehmen Curiates übernommen. Trotz Unterstützung durch das Land und die Hausbank reichten die Maßnahmen wegen fehlender Bundesvorgaben nicht aus, um das Haus ohne gerichtlichen Schutz zu stabilisieren.