Gastronomen-Ehepaar aus Ehingen über die Sorgen der Branche
Gastronomen-Ehepaar über die Sorgen der Branche

Seit etwa einem Monat gibt es in der Linde in Ehingen ein Gästebuch für Hunde. An der Theke sind die Bilder der vierbeinigen Gäste mit Namen und Datum ihres Besuchs aufgereiht. „Wir wollen, dass sich unsere Gäste willkommen und wahrgenommen fühlen“, sagt Restaurantinhaberin Beate Dabisch. Dazu gehörten auch ein Schrank voller Spielsachen für Kinder und Leckerlis für die Hunde. „Meine Frau ist die beste Kundin für Leckerli“, sagt Axel Dabisch. „Dabei haben wir noch nie einen Hund besessen.“

Vom Schwarzwald an die Ostsee

Beate Dabisch ist in der Gastronomie aufgewachsen, ihre Eltern betreiben auf Usedom ein Restaurant. „Ich bin da praktisch reingeschubst worden“, sagt die 53-Jährige. Ihr Ehemann Axel Dabisch kommt nicht aus einer Gastronomenfamilie. „Aber ich war bei meiner Mutter immer so ein Topfgucker“, sagt der 56-Jährige, der in Villingen im Schwarzwald aufgewachsen ist. Schon früh sei klar gewesen, dass er Koch wird.

Kennengelernt haben sich die beiden in Stuttgart, wo Beate als Aushilfe im SI-Centrum arbeitete und Axel beim Aufbau eines Restaurants half. Seitdem arbeiten sie fast ohne Unterbrechung zusammen – und sind seit 30 Jahren verheiratet. Nach der Zeit in Stuttgart zog es sie nach Usedom, wo ihre Tochter Julia zur Welt kam, die heute in Ehingen eine Hebammenpraxis betreibt. Doch das Ehepaar zog es wieder in den Süden. „Ich fand es hier unten immer lebendiger“, sagt Beate. Ihr Mann ergänzt: „Im Sommer hätte man auf Usedom rund um die Uhr arbeiten können.“ Im Winter sei nichts los gewesen.

Die Linde in Ehingen

Über einen Stopp in der Kantine der Heller Maschinenfabrik führte der Weg nach Ehingen, wo Axel Dabisch Küchenchef in der Kantine des Krankenhauses wurde. Dort lernte er den damaligen Landrat Heinz Seiffert kennen, der seinen Abschied in der Lindenhalle feiern wollte – mit Linsen mit Spätzle und Wurst. Dabisch übernahm das Catering und lernte so die Lindenhalle kennen. Im September 2017 zogen die beiden als neue Inhaber in das Restaurant der Lindenhalle ein. „Jetzt sind wir, glaube ich, in dem ungewöhnlichsten Objekt im Umkreis“, sagt Beate.

Die Küche ist mit 160 Quadratmetern ungewöhnlich groß. „Zu dritt laufen wir uns da drin einen Wolf. Aber man steht da auch mal zu zehnt drin“, sagt Axel Dabisch. Bei großen Veranstaltungen, wenn die Halle ausverkauft ist, braucht er die große Küche. Mal sind es 700 Gäste, mal nur ein entspanntes Abendessen. „In der Spitze waren wir schonmal 50“, sagt Beate Dabisch über das Servicepersonal. Die Bewirtung bringe aber auch Unsicherheiten mit sich: „Bei der Pausenbewirtung von 700 Menschen brauchen wir im Schnitt zwölf Minuten, bis alle versorgt sind.“

Minijobs und Existenzängste

Die Linde lebt – wie viele andere Restaurants auch – von Minijobbern. „Ich kann sie nicht Vollzeit bei mir anstellen“, sagt Beate Dabisch. Viele haben einen festen Job und kellnern nebenher, andere verdienen sich etwas dazu. Sollte die Regierung Minijobs im kommenden Jahr nicht mehr zulassen, müssten sich die Betreiber Gedanken machen, wie es weitergeht. „Es ist eine große Unsicherheit“, sagt Beate. Auch die Corona-Pandemie habe Spuren hinterlassen: „Aber in Corona hat man oft gezweifelt. Das waren schon Existenzängste.“

Trotz aller Herausforderungen lieben die Dabischs den persönlichen Austausch mit den Gästen. „Man lernt in dem Beruf so unfassbar viele Leute kennen“, sagt Axel. „Manche werden auch zu Freunden.“ Ihr erstes Brautpaar vom 2. September 2017 besucht sie noch heute regelmäßig.

Höhepunkte und Auszeiten

Geschlossen ist die Linde fest in der Woche vor der Kirbe und nach der Fasnet. „Da hat man überall Konfetti“, sagt Axel Dabisch. Vier Fasnetsbälle zu bewirten, sei eine Herausforderung. Stolz sind die beiden auf ihren dritten Platz bei der Fernsehsendung „Mein Lokal, Dein Lokal“, gefeiert mit mehr als 100 Gästen beim Public Viewing. „Unser Anspruch war es immer, anders zu sein“, sagt Beate. Dazu gehören auch die „Wine and Dinner“-Abende mit dem Weinhandel Edel.

Beim sonntäglichen Frühstück übernimmt Beate die Küche – Axel ist „kein Frühstückskoch“. Nun blicken die beiden auf Herbst und Winter, die beste Zeit im Gastro-Jahreskalender. Reservierungen für die Weihnachtsfeiertage stehen bereits im Buch. „Im Kopf ist man schon wieder bei Ente und Rotkohl“, sagt Axel Dabisch.