Emmi und Edda sind Kangals, eine ursprünglich aus der Türkei stammende Hunderasse, die zum Schutz von Nutztierherden gezüchtet wurde. Lotti und Bobbi sind Alabais, auch bekannt als „Zentralasiatischer Owtscharka“, ursprünglich aus Russland. Die vier Arbeitshunde haben rund 90 Zentimeter Schulterhöhe und können bis zu 80 Kilo schwer werden. Sie bewachen die Rinder von Paul Vick und Ella Kremer in der Lewitz.
Gefahr durch Wölfe und Raubwild
„Wir haben hier in der Lewitz Wölfe, und nicht weit von uns gibt es auch ein Wolfsrudel“, erläutert Paul Vick. Seine Angusrinder leben im Sommer nahezu frei auf insgesamt 90 Hektar Wiesen, im Winter stehen ihnen rund acht Hektar zur Verfügung.
„Die Kühe kalben draußen und währenddessen sind die Tiere extrem gefährdet. Denn in dieser Situation können sie leicht zur Beute für Raubwild werden“, so der Landwirt. Die Gefahr geht nicht nur von Wölfen aus, sondern auch von Kolkraben, Marderhunden und Füchsen.
Erfolgreicher Schutz durch die Hunde
„Seit wir die Herdenschutzhunde haben, ist hier nichts mehr passiert“, erzählt Vick. Die vier Hunde bewegen sich frei auf dem Gelände, das außen wolfssicher eingefriedet ist. „Das bedeutet, dass eigentlich Wölfe nicht rein- und unsere Hunde nicht rauskommen“, macht der Rinderzüchter deutlich. Dennoch hat Vick, der auch Jäger ist, schon Wolfsspuren auf den Rinderkoppeln gefunden.
„Mich faszinieren Hunde schon immer, vor allem Arbeitshunde. Darum haben wir uns dann für Herdenschutzhunde entschieden“, erzählt er. Allerdings sind die Hunde anders als Haustierrassen. „Sie kennen uns und lassen sich auch von uns an der Leine führen und solche Dinge. Aber sie sind keine Haustiere und wollen auch keine sein“, erläutert Ella Kremer, die in Picher eine Blaubeerplantage betreibt.
Leben mit der Herde und Überwachung
Die Herdenschutzhunde leben von klein auf mit den Kühen zusammen draußen. „Sie können, genauso wie die Kühe, in den Stall gehen und sich unterstellen, allerdings tun sie das nur selten“, hat Kremer beobachtet. Die Hunde sehen sich als Teil der Herde, und die Kühe haben sie akzeptiert. „Das war allerdings deutlich schwieriger, als die Hunde an die Rinder zu gewöhnen“, erinnert sich Vick.
Bei der Eingewöhnung half ein Umstand: Zwei Kälber hatten ihre Mutter verloren und mussten mit der Flasche aufgezogen werden. „Wir haben dann die beiden ersten Welpen, also Emmi und Edda, mit den Kälbern zusammen aufwachsen lassen, und sie dann auch gemeinsam mit der Herde vergesellschaftet, das hat gut funktioniert“, berichtet Kremer. Mit Bobbi und Lotti war es einfacher, da die Kühe die Hunde schon kannten.
Die vier Hunde sind mit Trackern ausgerüstet, sodass Vick und Kremer immer wissen, wo sie sind. „Im Innenbereich sind alle Rinderzäune so hoch, dass die Hunde darunter hindurchlaufen können. Und wir sehen an den Trackeraufzeichnungen, dass sie vor allem nachts wirklich die ganzen Flächen ablaufen. Wenn sie sich länger irgendwo aufhalten, finden wir dort tatsächlich morgens oft Wolfsspuren oder Hinweise auf andere Tiere“, erläutert Vick.
Die Hunde vertreiben auch Rehe, Hirsche und Wildschweine, jagen sie aber nicht. „Eindringlinge aller Art werden sehr nachdrücklich zum Zaun begleitet, bis sie das Gelände wieder verlassen, aber bei Raubwild greifen die Hunde auch an, wenn es sich zu nah an die Kühe oder Kälber wagt“, haben die Rinderzüchter beobachtet. Dieses Verhalten zeigen die Hunde auch bei fremden Menschen.
„Hier sind zwar oft Reiter aus dem benachbarten Reitstall unterwegs, aber es gibt hier kaum Spaziergänger“, so Vick. Wenn Reiter oder Wanderer am Zaun entlanggehen, folgen die Hunde ihnen aufmerksam, bellen aber nicht. „Wenn jemand aber auf das Grundstück käme und womöglich an die Rinder ginge, könnte das gefährlich werden. Daher verzichten viele Kollegen in Gegenden mit mehr Spaziergängern oft auf den Einsatz von Herdenschutzhunden“, berichtet Vick.