Die Stadtvertreter von Friedland haben einstimmig eine neue Friedhofssatzung mit neuer Gebührentabelle beschlossen. Für den Ortsteil Ramelow bedeutet das eine extreme Preissteigerung: Ein Erdwahlgrab mit 20-jähriger Ruhezeit kostet dort künftig 4090 Euro statt bisher knapp 680 Euro – eine Erhöhung um 3411 Euro.
Wenige Gräber, hohe Kosten
Notwendig wird der Schritt vor allem, weil in Ramelow vergleichsweise wenig Menschen beerdigt werden, erklärte Christiane Strehlow aus der Friedländer Stadtverwaltung auf Nachfrage. Derzeit gebe es dort nur 13 Gräber. Kosten für Pflege und Instandhaltung der Anlage fielen trotzdem an und würden auf die geringe Anzahl der Grabstätten umgelegt.
Zum Vergleich: Im nahe gelegenen, aber deutlich größeren Friedland kostet das gleiche Grab mit sogar 30 Jahren Ruhezeit nur 650 Euro. Etwas kostengünstiger, aber immer noch relativ teuer ist ein Urnengrab in Ramelow: Dafür werden 2455 Euro veranschlagt, in Friedland nur 390 Euro. Für ein Urnengemeinschaftsgrab, die billigste Variante, müssen in Ramelow 1580 Euro gezahlt werden, in Friedland 470 Euro. Die teuerste Bestattungsform, eine halbanonyme Baumbestattung, wird in Ramelow gar nicht angeboten; in Friedland schlägt sie mit knapp 6900 Euro zu Buche.
Einwohner bieten Eigenleistung an
Eine kleine Delegation aus Ramelow brachte bei der Stadtvertretersitzung in Friedland die Sorge zum Ausdruck, ihr Friedhof könne geschlossen werden. Derlei sei aber nicht geplant, wurde ihnen versichert. Ein Vorschlag, dass Einwohner Pflegearbeiten wie Rasenmähen und Laubharken selbst erledigen, um die Kosten zu senken, wurde wohlwollend aufgenommen, jedoch noch nicht abschließend beraten.
In den kommenden Tagen ist ein Ortstermin geplant, sagte Christiane Strehlow. Dabei sollen Details besprochen werden, unter anderem Versicherungsfragen. Wer bezahlt, falls beim Rasenmähen zum Beispiel ein Grabstein beschädigt wird, müsse vorab geregelt werden. Gelänge es, alle Bedenken aus dem Weg zu räumen, könnten die Preise eventuell perspektivisch wieder etwas gesenkt werden.
Preisvergleich mit Großstädten
Einen Kostenvergleich aller Grabstätten in der Bundesrepublik gibt es nicht. „Jede Kommune in Deutschland legt ihre Friedhofsgebühren selbst fest“, erklärt der Verein Aeternitas, eine bundesweit tätige Verbraucherinitiative für Bestattungskultur. Dies führe dazu, dass Gebühren für die gleiche Grabart von Stadt zu Stadt teilweise um mehrere hundert Prozent voneinander abweichen, so wie bei Ramelow und Friedland.
Ein Blick auf die Friedhofsgebühren aller 79 deutschen Großstädte zeigt Extremwerte: Für eine Sargbestattung im Reihengrab muss man in Moers (Nordrhein-Westfalen) bei 25 Jahren Ruhezeit 4294 Euro zahlen, in Berlin bei 20 Jahren nur 887 Euro. Beim Wahlgrab für Sargbestattungen ist Mainz (Rheinland-Pfalz) mit 4759 Euro für 30 Jahre die teuerste Großstadt, Berlin mit 964 Euro für 20 Jahre am günstigsten. Ramelow rangiert also ab Inkrafttreten der neuen Satzung deutlich im oberen Preissegment.
In Friedland hingegen werden Beerdigungen mit dem neuen Regelwerk sogar günstiger. Dort kostete ein Urnengemeinschaftsgrab mit Grabmahl bisher 880 Euro, laut neuer Satzung nur noch 680 Euro – eine Ersparnis von mehr als 200 Euro. Christiane Strehlow weist darauf hin, „dass die Satzung erst mit ihrer Ausfertigung in Kraft tritt“.