Die 79-jährige Renate Heise ist erschüttert über den extremen Abbau der Volksbank Raiffeisenbank in Mirow. Die Automaten seien bereits verklebt und es gebe keine Ansprechpartner mehr vor Ort, berichtet die Seniorin.
Ältere Kunden bleiben zurück
Um Überweisungen tätigen zu können, müsse Renate Heise nun zu einer anderen Filiale nach Neustrelitz oder nach Neubrandenburg fahren. „Die Landbevölkerung gerät immer mehr ins Hintertreffen, nicht nur mit den Ärzten, jetzt auch noch die Banken“, empört sich die Seniorin. Zumal die Fahrtkosten bei den Kunden hängen bleiben würden.
Die „Neuausrichtung“ ihres Filialnetzes in der Seenplatte begründet die Bank mit „tiefgreifenden Veränderungen im Kundenverhalten“. Von den Standorten Jördenstorf und Dargun trennte sie sich bereits, in Malchin und Gnoien gibt es nur noch „Beratungsfilialen“ ohne Schalterbetrieb.
SB-Standort bleibt erhalten
Die meisten Kunden würden heute das Online-Banking und die App für ihre Bankgeschäfte nutzen. Die Raiffeisenbank Mecklenburger Seenplatte stelle daher „die Weichen für moderne, digitale Bankdienstleistungen“, sagt Sprecherin Andrea Rubbey. Der Standort Mirow bleibe dabei „als SB-Standort mit Geldauszahlautomat erhalten“.
Kontoauszugsdrucker aber würden aus „regulatorischen und technischen Gründen“ an allen Standorten am 14. September zurückgebaut. Kontoauszüge könnten stattdessen digital über das elektronische Postfach im Online-Banking abgerufen werden. „Wer weiterhin Papierauszüge bevorzugt, kann diese selbstverständlich auch per Post erhalten“, erklärt Andrea Rubbey.
Alternativen und Reaktionen
Bankgeschäfte könnten über die Website Raiba Direkt erledigt werden. Persönliche Ansprechpartner sowie Bargeld- und Kassendienstleistungen seien verfügbar in den Kompetenzcentern in Waren (Müritz), Neubrandenburg, Teterow und Neustrelitz, und zwar montags bis freitags von 9 bis 12.30 Uhr, dienstags und donnerstags auch von 14 bis 18 Uhr. Zudem sei das Serviceteam telefonisch unter 03991 178-0 erreichbar.
Da viele Senioren nicht digital unterwegs sind, kommt Renate Heise allerdings zu dem Schluss, Unternehmen und der Staat seien „einfach nicht mehr für die Menschen da“. Bei der Hotline finde sie auch keine Hilfe, sondern hänge lange in der Warteschleife.