Moorvernässung und ökologisches Bauen: Vortrag in Gnevsdorf
Moorvernässung und ökologisches Bauen: Vortrag in Gnevsdorf

Wie wichtig und sinnvoll die Wiedervernässung von Mooren ist, um die weitere Freisetzung von CO₂ zu unterbinden, ist inzwischen auch in der Politik angekommen. Doch wie können die so entstandenen Feuchtflächen weiter genutzt werden? Und was hat das möglicherweise mit ökologischem Bauen zu tun? Diesen Fragen ging Bas Spanjers in einem Vortrag im Lehmmuseum in Gnevsdorf nach, den er am Tag des offenen Denkmals hielt.

Paludikultur als Lösungsansatz

Eine mögliche Lösung bietet nach seiner Darstellung die Paludikultur, eine Form der Land- und Forstwirtschaft auf nassen oder wiedervernässten Moorböden. Dabei werden nachwachsende Rohstoffe wie Schilf, Rohrkolben und andere Biomassen gewonnen, die als Futter oder Brennstoff, aber zunehmend auch für nachhaltige Baustoffe genutzt werden.

Bas Spanjers vom Greifswald Moor Centrum und der dortigen PaludiZentrale erklärte in seinem Vortrag zudem, wie Pflanzen aus nassen Mooren als Baumaterial eingesetzt werden können. Schilf dient seit Jahrhunderten als Baustoff. Doch heute entstehen daraus innovative Produkte wie Dämmstoffe, Bauplatten und Akustikelemente. In seinem Vortrag beleuchtete er aktuelle Entwicklungen und zeigte Beispiele aus der Praxis. Es gebe derzeit bundesweit neun große Projekte in Moorgebieten.

Zertifizierung als Grundbedingung

Der gebürtige Niederländer Spanjers ging zudem der Frage nach, welche Rolle Paludi-Baustoffe künftig beim ressourcenschonenden und klimafreundlichen Bauen spielen könnten. Er wies allerdings auch darauf hin, dass die aus den Rohstoffen wie Rohrkolben entstandenen Produkte zunächst zertifiziert werden müssten, bevor sie ökonomisch nutzbar seien. Da müsse noch einiges geschehen.

Gleichzeitig könnten solche Ansätze neue Perspektiven für die Landwirtschaft und den Moorschutz eröffnen. Die Veranstaltung bot dem interessierten Publikum, das teilweise sogar aus Brandenburg angereist war, Einblicke in die Potenziale der Paludikultur und deren Bedeutung für nachhaltiges Bauen.