Riesenrad La Baltica: Restaurant mit Ostseeblick in Kühlungsborn
Riesenrad La Baltica wird zum Restaurant an der Ostsee

Seit Ostern bietet das Riesenrad „La Baltica“ am Strand von Kühlungsborn-West wieder eine besondere Kulisse: Es dient als Restaurant mit Blick über die Ostsee. Gäste können vom Frühstück bis zum Dreigangmenü eine Fahrt genießen – und manchmal wird die Gondel zur Bühne für einen Heiratsantrag.

Ein Restaurant im Riesenrad

Das 45 Meter hohe Riesenrad wird von Ralf Jokic und seiner Frau Andrea Greier-Jokic betrieben. „Wir betreiben kein normales Riesenrad wie auf dem Jahrmarkt. Wir führen ein Restaurant im Riesenrad“, erklärt der 65-Jährige. Der ehemalige Bundeswehrangehörige leitet das Team seit zwei Jahren. Bei einem dreigängigen Dinner bleibt den Mitarbeitern nur wenig Zeit: Beim Eindecken einer neuen Gondel haben sie gerade einmal 20 Sekunden.

Frühstück und Dinner in der Höhe

Ab 9 Uhr startet das Team mit dem Frühstück. In der Hochsaison gönnen sich Urlauber ab 39 Euro pro Person frische Brötchen, Käse, Wurst, Müsli, Kaffee und Saft – mit Blick über die Ostsee. Ralf Jokic empfiehlt eine vorherige Anmeldung, da die Gondeln besonders am Wochenende schnell belegt sind. Nach dem Frühstück folgt das dreigängige Dinner. Am Nachmittag gibt es Kaffee und Kuchen für 15 Euro oder eine Spritzfahrt. „Meine kleine Prinzessin unter den Angeboten ist aber die Weinfahrt. Wir bieten von einem Winzer aus der Nähe von Koblenz sechs verschiedene Weine an und reichen dazu Antipastiplatten“, sagt der Oldenburger. Wer nicht in die Gondel möchte, kann im Foyer speisen. „Wir haben elf verschiedene Pizzen; die können die Gäste hier essen oder mit in die Gondel nehmen. Nur einen Außerhausverkauf bieten wir nicht an.“

Umzug und persönliche Note

Das Riesenrad wurde in diesem Jahr von Ost nach West verlegt, da der angestammte Platz erst im Mai verfügbar war. „Wir hatten im Dezember viele Gutscheine verkauft und wollten unseren Gästen, die über Ostern nach Kühlungsborn kommen, ermöglichen, ihre Gutscheine einzulösen“, erklärt Jokic. Er sieht den Erfolg vor allem in der persönlichen Betreuung: „Wir begrüßen hier jeden persönlich, und eigentlich verlässt niemand das Riesenrad, ohne dass ich oder meine Frau mit ihm gesprochen haben.“

Preise und besondere Momente

Ohne kulinarisches Angebot kostet eine Fahrt mit drei Runden acht Euro in den barrierefreien Gondeln, in denen auch Hunde erlaubt sind. Kurkarteninhaber zahlen einen Euro weniger. „Wir hatten Anfang der Saison wegen der Benzinpreise überlegt, die Preise zu erhöhen, entschieden uns dann aber dagegen.“

Trotz vieler Heiratsanträge und Geburtstagsüberraschungen bleibt ein Erlebnis besonders: „In der vergangenen Woche trafen sich hier drei ältere Damen zum Frühstück, deren Männer erst vor Kurzem verstorben waren. Als wir uns danach unterhielten, sagten sie, wie schön die Fahrt gewesen sei. Sie lachten, sie weinten, sie schrien, sie erzählten sich die alten Geschichten und fühlten sich ihren Männern ganz nah.“

Gästestimmen und Familienbetrieb

Silvia und Elmar Warkentin aus Nordrhein-Westfalen verbrachten eine Woche in Kühlungsborn. „Ich habe heute Geburtstag“, verriet sie nach der Frühstücksrunde. „Wir waren schon einige Male in Kühlungsborn, es gefällt uns hier, da kommt die westdeutsche Ostsee überhaupt nicht mit. Die Architektur, die Seebäder, die Natur, die Ostsee. Wir sind viel mit dem Fahrrad unterwegs, fahren nach Warnemünde und Rerik. Wir sind immer total begeistert und können es nur empfehlen.“

Andrea Greier-Jokic liebt Kühlungsborn, hat aber oft wenig Zeit für die Ostsee. „Mein Mann hat mir zum Geburtstag einen Strandkorb für ein Jahr gemietet, aber ehrlicherweise habe ich ihn erst einmal genutzt“, sagt sie. Zum Geburtstag gab es eine Überraschung: Zum ersten Mal fuhr sie mit ihrem Mann im Riesenrad, das Team servierte ein Spezialmenü. „Wir haben das total genossen. Jetzt weiß ich, warum die Leute das so super finden“, lacht sie.

Leben neben dem Riesenrad

Während der Saison wohnt das Paar im Wohnwagen direkt neben dem Riesenrad. Das ist praktisch, denn gelegentlich versuchen Jugendliche, auf das Gelände zu gelangen, um in den Ballasttanks zu schwimmen oder am Gestänge hochzuklettern. Auch bei plötzlichen Wetterumschwüngen ist schnelles Handeln gefragt. „Wenn es stürmt, stellen wir das Riesenrad so ein, dass es ganz langsam durchläuft und dem Wind die geringste Angriffsfläche bietet. Sonst schaukeln sich die Gondeln dermaßen auf, dass man Angst haben müsste, sie könnten eventuell zusammenschlagen.“