Schloss Güstrow: Tordurchfahrt erstrahlt in Renaissance-Farben
Schloss Güstrow: Tordurchfahrt in Renaissance-Farben

Die Decke über der Tordurchfahrt von Schloss Güstrow erstrahlt nach einer viermonatigen Restaurierung in den Farben der Renaissance. Das Mauerwerk war zuvor voller Risse und stark beschädigt. Restauratoren haben den aufwendigen Deckenschmuck gesichert und ergänzt.

Stuckdecke war relativ vollständig erhalten

Bauleiter Christoph Heyn bezeichnet das Projekt als eine seiner größten und spannendsten Baustellen. Er fühle sich privilegiert, mit einer solchen Herausforderung betraut zu sein. Jeden Mittwoch ist er vor Ort, beantwortet Fragen und führt Fachleute durch das historische Areal.

Der Stuck an der Decke zur Tordurchfahrt war relativ vollständig erhalten, das Mauerwerk jedoch arg beschädigt und rissig. Die Figuren wurden von den damaligen Meistern an Ort und Stelle modelliert, erklärt Heyn. Jedes Gesicht sehe ähnlich aus und sei doch individuell. Das urige Eichentor an der Toreinfahrt habe sich im Laufe der Jahrhunderte verzogen, funktioniere aber noch.

Fassade soll Ende September fertig sein

Fast alle Gerüste sind gefallen. Die gesamte Fassade soll Ende September fertig sein. Die letzten Arbeiten am Mauerwerk stehen dort an, wo die Gerüste standen, etwa im Sockelbereich. Der strenge Winter habe das Projekt um etwa zwölf Wochen zurückgeworfen, so Heyn.

Schöne Details wie rekonstruierte Wetterfahnen, vergoldete Wappen an der Toreinfahrt und goldglänzende Bekrönungen, Kupferkuppeln und ein wieder erlebbares Brunnenhaus samt Brunnenschacht sollen ab 2028 die Besucher erfreuen. Sichtbar geworden sind auch Mäander an der Innenwand des abgerissenen Nordflügels.

Barocke Brücke bringt unvorhergesehene Überraschungen

Die barocke Brücke hatte einige unvorhergesehene Überraschungen parat, weshalb sich die Bauarbeiten an dieser Stelle noch bis ins nächste Jahr ziehen werden. Man hatte sich entschieden, die galerieähnlichen Bögen und Pfeiler, die die Brücke tragen, wieder erlebbar zu machen. Neun Meter lange Pfähle aus Stahlbeton sollen das Konstrukt tragen.

Bauforscher haben immer wieder historisch Interessantes gefunden – unter anderem Aborte an der Nordfassade aus der Renaissance. Der Geruchsbelästigung wegen kam das zu Entsorgende von oben in Erkern hinunter in ein Auffangbecken.

Innenräume werden nach einfachem Standard hergerichtet

Die Innenräume des Schlosses werden sukzessive nach einfachem Standard hergerichtet, so Heyn. Eine vollständige Restaurierung sei aus finanziellen Gründen nicht möglich. Erd- und Obergeschoss von Süd- und Westflügel würden nach einem Museumsansatz in verschiedenen Qualitätsstufen hergerichtet. Das zweite Obergeschoss ist für Wechselausstellungen vorgesehen – alles noch unter finanziellem Vorbehalt.

Die Güstrower Architektin Gabriele Schuldt, ebenfalls mit dem Projekt betraut, berichtet, dass viele sich wieder Gastronomie wünschen. Es dürfte jedoch schwer sein, Pächter für ein Café zu finden. Heyn räumt ein, dass das Schlosscafé in Ludwigslust gut laufe. Wichtig und beglückend sei, dass Güstrower und Gäste schon jetzt mit Spannung den Fortgang des Projekts verfolgen und überwiegend positives Feedback geben, sagt Schuldt.