Theaterchefin rettet Premiere in Parchim mit kurzfristigem Hauptrollen-Sprung
Theaterchefin rettet Premiere mit Hauptrollen-Sprung

Beim Jungen Staatstheater Parchim übernahm die künstlerische Leiterin Julia Sontag kurzfristig die Hauptrolle der Sascha in „Die Asche meines Vaters“ – und rettete damit die Premiere am Sonnabend. Innerhalb von drei Tagen lernte sie den Text, obwohl sie eigentlich als Regisseurin und Leiterin eingesetzt war. Das Premierenpublikum belohnte die Leistung mit viel Applaus.

Die Handlung: Ein überraschendes Erbe

Das Stück von Soeren Voima erzählt von Sascha, die kurz vor dem Abitur erfährt, dass sie 48.590.560 Euro geerbt hat. Dazu kommen je ein Haus in Hamburg und auf Sylt sowie eine Oldtimersammlung, deren Wert noch nicht ermittelt ist. Der Erblasser ist ihr leiblicher Vater Fred Diedenhöfer, von dem sie nie zuvor gehört hatte.

Ihre Mütter Pia (Marlene Eiberger) und Inga (Lena Blauth) hatten ihr erzählt, ihr Erzeuger sei ein buddhistischer Mönch gewesen, der kurz nach ihrer Geburt bei einem Flugzeugabsturz starb. Die Wahrheit hatten sie angeblich nie erzählt.

Die neue Familie und ihre Reaktionen

Als Sascha mit ihrem non-binären Freund Fiete (Jan Hensel) zur Beerdigung nach Sylt reist, lernt sie ihre neue Familie kennen. Tante Vroni (auch Marlene Eiberger) und Onkel Pitt (Bastian J. Simon) sowie deren Kinder Max (Anton Ohmstede) und Lilly (Lena Blauth) geben sich anfangs freundlich. Als klar wird, dass sie leer ausgehen, schlägt die Stimmung um – besonders der tief verschuldete Pitt und seine Influencer-Tochter Lilly reagieren wütend.

Nur Billy (Constanze Rückert), die Freundin des Verstorbenen, und der an Reichtum uninteressierte Klimaschützer Max halten zu Sascha. Auch ihre Mütter reisen ihr nach Sylt hinterher.

Inszenierung und Publikumsreaktion

Regisseurin Petra Schönwald hält einige Überraschungen bereit, etwa eine Modenschau, in der Sascha und Fiete testen, wie sie sich der reichen Verwandtschaft präsentieren. Das reduzierte Bühnenbild von Theresa Scheitzenhammer ist wandelbar – aus dem Sarg wird später die Tafel für den Leichenschmaus. Das Bühnenteam wird in die Handlung einbezogen.

Die größte Überraschung war jedoch Julia Sontag, die die Premiere rettete. Einzige Kritik: Statt des abrupten Schlusses hätte sich Interaktion mit dem Publikum angeboten. Zu wissen, was andere mit 50 Millionen Euro anfangen würden, wäre spannend gewesen und hätte Sascha vielleicht die Entscheidung leichter gemacht.