70 Hektar munitionsbelasteter Wald im Forstamt Karbow werden herabgestuft
70 Hektar Wald im Forstamt Karbow werden herabgestuft

Im Forstamt Karbow in Mecklenburg-Vorpommern ist die Herabstufung von 70 Hektar munitionsbelasteter Waldfläche beantragt worden. Die Fläche war bislang der Belastungskategorie 4 zugeordnet, in der keine Bewirtschaftung möglich ist. Nach der Herabstufung könnten Waldbewirtschaftung und Waldbrandprävention dort teilweise oder vollständig wieder aufgenommen werden, wie es aus dem Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt heißt.

Hintergrund: 60.000 Hektar Wald in MV munitionsbelastet

In Mecklenburg-Vorpommern sind noch immer rund 60.000 Hektar Waldfläche mit Munition verseucht – Hinterlassenschaften der Roten Armee, der deutschen Reichswehr sowie der Wehrmacht. Forstminister Dr. Till Backhaus erklärte, dass etwa zehn Prozent der Waldfläche im Land munitionsbelastet seien. 28.400 Hektar davon sind der Belastungskategorie 4 zugeordnet, in der keine Bewirtschaftung möglich ist.

Im Revier Poitendorf, südlich von Parchim und mitten im Forstamt Karbow, gibt es noch rund 340 Hektar munitionsbelastete Fläche, wie Revierleiter Wolf-Roman Plickat erklärte.

Neues Verfahren: Testfelder und gezielte Sondierung

Dass Tausende Hektar Wald in MV nicht bewirtschaftbar sind, bezeichnete Backhaus als „nicht akzeptabel“. Da es nicht möglich ist, rund 60.000 Hektar kurzfristig zu bereinigen, wird gezielt vorgegangen: „Wir klären, wo tatsächlich eine Gefahr besteht, und bringen Waldpflege und Waldbrandvorsorge dort wieder in Gang, wo es sicher möglich ist. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass dieser Weg funktioniert. Jetzt geht es darum, das Verfahren auszuweiten und schneller in die Fläche zu bringen“, sagte Backhaus beim Termin im Forstamt.

Landesforst, Waldservice, Munitionsbergungsdienst und das Projektzentrum Waldbrandschutz „Thor“ haben dafür einen flächenreduzierten Ansatz entwickelt: Auf einer belasteten Fläche werden acht fünf mal fünf Meter große Testfelder pro Hektar eingerichtet. Diese Felder werden sondiert und bei Bedarf beräumt. Dabei wird überprüft, ob die vermutete Belastung durch Kampfmittel tatsächlich vorliegt. Bleibt die höchste Kategorie bestehen, können gezielt Arbeitsgassen und notwendige Eingriffspunkte sondiert und beräumt werden.

Landesforst-Tochter übernimmt Arbeiten

Zuständig für diese Arbeiten ist die Landesforst MV – Waldservice und Energie GmbH, eine Tochter der Landesforst. Sie ist seit rund zwei Jahren eine anerkannte Kampfmittelräumfirma und hat vier ausgebildete Mitarbeiter. Mittels Testfeldsondierungen können etwa 100 bis 150 Hektar pro Jahr untersucht werden.

Kataster und Lehren aus Brand bei Lübtheen

Mecklenburg-Vorpommern geht beim Umgang mit munitionsbelasteten Flächen neue Wege: Als einziges Bundesland führt es ein spezielles Kataster, in dem gefährdete Gebiete genau erfasst werden. Auch die enge Zusammenarbeit zwischen Landesforst und Munitionsbergungsdienst ist bundesweit einzigartig. Nun prüft das Land, wie das erfolgreiche Verfahren auf weitere Flächen ausgeweitet und die Arbeit beschleunigt werden kann.

Die Belastung durch Kampfmittel birgt auch beim Thema Brandbekämpfung ein Risiko. „Wir haben aus dem großen Brand bei Lübtheen 2019 unsere Lehren gezogen“, betonte Backhaus. 950 Hektar Fläche standen damals in Flammen, rund 45 Tonnen Kampfmittel lagen pro Hektar im Boden. Später wurden Spezialfahrzeuge und Kreisregner angeschafft sowie zwei Löschboxen mit jeweils 10.000 Litern Wasser. Zusätzlich wurden rund 250 Millionen Euro für neue Löschfahrzeuge investiert und weitere Maßnahmen zur Brandbekämpfung ergriffen.

„Waldbrandvorsorge beginnt lange, bevor es brennt. Wir brauchen Wälder, die gepflegt werden können, geringere Brandlasten und sichere Wege für die Einsatzkräfte. Auf munitionsbelasteten Flächen hängt das unmittelbar mit dem Umgang mit den Kampfmitteln zusammen. Deshalb denken wir Kampfmittelvorsorge, Waldbewirtschaftung und Waldbrandschutz gemeinsam“, so Backhaus.