Mehr als ein Jahr nach der Großrazzia auf Schloss Jessenitz südlich von Schwerin gibt es weiterhin keine Ermittlungsergebnisse. Schlossherr Philip Steinbeck, Unternehmer und AfD-Politiker, erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Ermittler und vermutet eine politische Motivation hinter dem Einsatz.
Keine neuen Informationen seit der Razzia
Am 2. August 2025 hatten mindestens 60 Polizisten, darunter ein Spezialeinsatzkommando, das Anwesen gestürmt. Die Staatsanwaltschaft teilte damals mit, dass Waffen und Sprengstoff gefunden worden seien. Innenminister Christian Pegel (SPD) nannte die Funde alarmierend. Ermittelt wurde unter anderem wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz.
13 Monate später wiederholt die Staatsanwaltschaft Schwerin auf Anfrage lediglich: „Die Ermittlungen – insbesondere die Untersuchungen der sichergestellten Waffen – dauern weiter an“, so Sprecher Jonas Krüger. Neue Details gibt es nicht.
Steinbeck: „Das stinkt doch gewaltig“
Steinbeck zeigt sich empört. Er hat die Vorwürfe wiederholt bestritten. Seine Reputation sei zerstört, sein Leben auf den Kopf gestellt. Besonders kritisiert er die öffentliche Berichterstattung: „Ich wurde bundesweit mit vollem Namen in den Abendnachrichten gebracht“, sagt der 61-Jährige – während andere Tatverdächtige anonymisiert würden. Er unterstellt: „Das stinkt doch gewaltig.“
Zu den gefundenen Gegenständen erklärt er, er sei Schütze und dürfe Waffen besitzen. Bei einer Panzerfaust und einem Maschinengewehr habe es sich um „Deko-Waffen“ gehandelt, beim Sprengstoff um „Schwarzpulver für Vorderlader“. Die Waffen, die im Keller gelegen hätten, seien unbrauchbar gewesen. Als Erklärung verweist er auf Themen-Partys, die er vor Jahrzehnten im Schloss veranstaltet habe.
Ermittlungen eingestellt – Steinbeck prüft rechtliche Schritte
Steinbeck wirft der Polizei vor, seine Hinweise auf einen möglichen illegalen Zugang zum Schloss vor der Razzia nicht weiter verfolgt zu haben. Auch eine schwere Beschädigung eines Reifens an seinem Auto hatte er zur Anzeige gebracht – für ihn ein klarer Anschlag. Doch die Ermittlungen dazu wurden eingestellt. Für ihn sei das „absolut unverständlich“. Er lasse die Vorgänge jetzt von Dritten überprüfen, bis hin zu Kontakten in die USA.
Unabhängig davon hatte die AfD nach der Razzia ein Parteiausschlussverfahren gegen Steinbeck eingeleitet. Das Urteil des Landeschiedsgerichts liegt ihm inzwischen vor. Dagegen will er über die Bundespartei vorgehen.