Die nächste Phase der Vorbereitung für die Erdkabelleitung Nordostlink beginnt: In Westmecklenburg starten die Kampfmitteluntersuchungen. Die Sondierung und Räumung beginnt planmäßig im August und wird voraussichtlich bis Frühjahr 2027 andauern, teilt Marie Bartels von 50Hertz mit.
47 Kilometer in Westmecklenburg
47 der insgesamt 190 Kilometer langen Gleichstromverbindung sollen künftig in Westmecklenburg verlaufen – von Rieps nach Mühlenbeck. In diesem Teil wird der Nordostlink vom Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz geplant und realisiert.
„Bei neuen Erkenntnissen können auch im Anschluss noch Kampfmittelräumungen notwendig sein“, schildert Bartels auf Nachfrage.
Suche nach Altlasten: von Schrott bis Großkampfmitteln
Die Bestimmung von Untersuchungsflächen basiere unter anderem auf Luftbildauswertungen und historischen Recherchen und erfolge in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden. „Aus vergangenen Kriegen oder auf Flächen aus militärischer Nutzung können Munition und Altlasten verschiedener Art gefunden werden. Ein Großteil der Funde stellt sich letztlich als eisenhaltiger Schrott heraus (Badewannen, alte Fahrräder und vieles mehr), aber auch Infanteriemunition oder Großkampfmittel können identifiziert und geborgen werden“, erläutert Bartels.
Die historische Recherche habe keine konkreten Hinweise auf besonders große Belastungen entlang des Nordostlink-Leitungsverlaufs in Nordwestmecklenburg ergeben, aber das müsse nichts bedeuten.
So gehen die Kampfmittelräumer vor
Wie 50Hertz schildert, werden Flächen mit entsprechendem Prüfbedarf vor Ort untersucht. Zunächst würden verdächtige Flächen per GPS vermessen. Um ein Bild vom Untergrund zu bekommen, nutzen die Kampfmittelräumer sogenannte Magnetometer. „Diese tragbaren oder auf Rollen montierten Geräte erkennen über eine Messung der magnetischen Flussdichte im Boden verborgene metallische Objekte und deren Maße“, erläutert der Übertragungsnetzbetreiber.
Erhärte sich ein Verdacht, werde die Fläche per Hand oder mit einem kleinen Bagger freigelegt. Handele es sich tatsächlich um Kampfmittel, würden diese durch qualifizierte Fachkräfte geborgen und fachgerecht beseitigt.
50Hertz rechnet durch mögliche Funde nicht mit Verzögerungen im Bauvorhaben. „Die verschiedenen Voruntersuchungen, wie archäologische Arbeiten und Kampfmittelräumung, sind im Zeitplan des Projektes eingeplant. Die zeitlich vorgelagerte Durchführung dient genau dem Ziel, den späteren Bau und die Inbetriebnahme der Leitung sicherzustellen. Im Fall von positiven Befunden können die betroffenen Flächen unter Berücksichtigung aller Sicherheitsvorgaben beräumt werden“, teilt Marie Bartels mit.
Für einen sicheren Bau der Erdkabelleitung seien eine Reihe von Voruntersuchungen notwendig, die jeweils einen anderen Zweck verfolgen. Während die Baugrunduntersuchungen Informationen zu der Bodenbeschaffenheit, also etwa der Tragfähigkeit, Wärmeleitfähigkeit und dem Verdichtungsverhalten liefern, diene die Sondierung von Kampfmitteln der Sicherheit auf der Baustelle und beabsichtige als vorlaufende Maßnahme die Sicherstellung eines reibungslosen Bauablaufs, so Bartels. Derzeit finden zudem archäologische Voruntersuchungen statt.
„Ende Februar 2027 wird 50Hertz die Genehmigungsunterlagen bei der Bundesnetzagentur einreichen“, informiert Marie Bartels. Zu diesem Anlass werde erneut mit Veranstaltungen in der Region über die Planungen informiert.
Der Beginn des Baus ist nach Erhalt des Planfeststellungsbeschlusses im Jahr 2028 vorgesehen. 2032 soll der erste Strom durch den Nordostlink fließen. Die Gesamtkosten für das Projekt werden auf rund 5,5 Milliarden Euro beziffert.