Beim ersten Gespräch im Park von Borrentin kamen Einwohner mit Geschichten, Fotos und Erinnerungen zusammen, um mit der Künstlerin Anke vom Sund über das Leben in der Gemeinde zu sprechen. Die Künstlerin hatte zu der Runde eingeladen, um ihre ersten Arbeiten im Rahmen des Bundesprogramms Aller.Land vorzustellen und neue Eindrücke zu gewinnen.
Park als Ort voller Geheimnisse
„Nach einem Monat in Borrentin fühle ich mich hier sehr wohl. Die Fahrten durch die Ortsteile der Gemeinde inspirieren mich, das Leben der Menschen anschaulich künstlerisch zu verarbeiten. Dieser Platz in Borrentin hat mir sofort gefallen, er strahlt Geheimnisse aus und hat sicherlich einmal eine große Rolle gespielt“, sagte Anke vom Sund.
Die Besucher bestätigten ihre Vermutung: Einst prägte der Gutspark das Gelände. Edeltraud Höppner berichtete, dass sie 1965 nach Borrentin kam und hier als Lehrerin wirkte. „Damals wurden mehrere Klassenstufen zusammengefasst, ich unterrichtete 30 Schüler in der Kombination fünfte und sechste Klasse“, erinnerte sie sich. Die ehemalige Lehrerin brachte eine umfangreiche Chronik ihrer langjährigen Tätigkeit mit, die ihre damaligen Schüler mit viel Fleiß angelegt hatten.
Geschichten von Kleinbahn und Eierkurve
Für Heiterkeit sorgte ein altes Schwarz-Weiß-Foto, auf dem das ehemalige Plumpsklo neben dem Schulgebäude zu erkennen ist. Edeltraud Höppners Ehemann Kurt erwies sich als wahres Dorflexikon. Seine Geschichten zur wirtschaftlichen Entwicklung Borrentins sorgten bei den Besuchern für Heiterkeit und Gänsehautstimmung.
Höppner erzählte über die Bedeutung der ehemaligen Kleinbahn, die es allen anliegenden Gütern ermöglichte, ihre Erträge abzutransportieren. „Hinter den Waggons waren Personenwagen angekoppelt und einmal fand sogar eine Hochzeitsfahrt mit der Bahn statt“, berichtete er. Zudem erinnerte er daran, dass hinter dem Grammentiner Wald einst an Zollstationen der Grenze zwischen Pommern und Mecklenburg sehr rege dafür gesorgt wurde, Einnahmen für die Regierungen zu akquirieren.
Auch die heutige Bundesstraße 194 wurde seinerzeit für Lkw-Transporte genutzt. „In Höhe des heutigen Parkplatzes vor dem Ortseingang aus Richtung Demmin kommend war die Kurve sehr tückisch. Zu DDR-Zeiten kippte hier ein mit Eiern beladener Lkw um. Daraus entstand der Name ‚Eierkurve‘“, berichtete Höppner.
Erinnerungen an Park und Kiesgrube
Walter Gneckow erzählte mit Wehmut vom einstmals schönen Park in Borrentin. „Ich kam 1956 nach Borrentin. Der Park war damals eingezäunt und beliebt für Spaziergänge. Leider ist heute alles zugewachsen. Auch an die Kiesgrube, in der viel gebadet wurde, erinnert nichts mehr.“
Besucherin Ute Schramma weiß noch, dass sie in ihrer Kindheit viel im Park spielte. „Da haben wir uns an herabhängende Lindenäste gehängt und geschaukelt.“ Gneckow berichtete zudem, dass die heutige Gaststätte einst Postkutschenstation war und dort die Pferde ausgetauscht wurden.
Ausstellung im Dezember geplant
Anke vom Sund zeigte sich begeistert von den Geschichten der Einwohner. „Ich werde diese Erzählungen künstlerisch verarbeiten. Dazu werden Bilder entworfen, die wir in den Bushaltestellen der Gemeinde darstellen. Die Menschen sollen die Geschichte ihres Ortes auch an anderen Plätzen wiederfinden.“ Bei einer gemeinsamen Abschlussfeier im Dezember im Schwichtenberger Gutshaus soll es eine Ausstellung geben.