Zum zweiten Mal nach 2025 ist bei Arbeiten im Schloss Gadebusch eine Flaschenpost entdeckt worden. Und zwar in dem Gebäudeteil, in dem einst auch der Dichter, Autor und Liedermacher Wolf Biermann (89) als Internatsschüler untergebracht war: im Ostanbau des Schlosses.
Fund bei Entkernungsarbeiten
Mitarbeiter der Baufirma HCH Umwelt GmbH Schwerin waren bei Entkernungsarbeiten im Dachgeschoss auf die Flaschenpost gestoßen. Einst war diese mit einem Blackberry-Likör von 1951 gefüllt. Zum Zeitpunkt des Fundes enthielt sie einen Aufruf der Freien Deutschen Jugend vom 27. April 1953. Darin wird um Spenden für die Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Bukarest gebeten.
Handschriftlicher Vermerk
„Auf der Rückseite ist handschriftlich vermerkt: ,Ich dummer Esel muss auch alles lesen‘“, berichtet Hans-Christoph Struck vom Schlossverein. Nach seinen Angaben hatte Wolf Biermann ab 1953 in Gadebusch gelebt. Er war im Internat auf dem Schlossberg untergebracht.
Wolf Biermanns Zeit in Gadebusch
Biermann hatte zuvor Hamburg verlassen und „wollte lieber in der DDR von den richtigen Leuten das Richtige lernen. Heute, ein langes Leben später, weiß ich: Nicht die Ostflüchtlinge, aber ich frommes Kommunistenkind brauchte die Flucht in den Osten, diese Lektion im Arbeiter- und Bauernparadies“, schreibt er in seiner Autobiographie „Warte nicht auf bessre Zeiten!“.
Mit einem Koffer, bisschen Wäsche, paar Klamotten kam er damals im Internat der Oberschule an. Er zog in ein Vier-Mann-Zimmer mit zwei Doppelstockbetten direkt über der Internatsküche im Ostanbau des Schlosses. Auf zwölf Seiten seiner Autobiographie berichtet Biermann von den Erlebnissen in diesem Provinzstädtchen, wie er es nennt. Er schreibt etwa von einer Schulversammlung in der Gaststätte „Fortschritt“, bei der Schüler ihren Austritt aus der Jungen Gemeinde erklären sollten. Von Schultheater-Projekten, seiner Liebe zu der schönen Ina, seinen Ausflügen in die Schweriner Theaterwelt sowie von einem Anwerbeversuch der Staatssicherheit in Gadebusch.
Ein Stasi-Offizier wollte, dass Biermann jede Woche Berichte über Schüler und Lehrer verfasst. Es kam anders. Biermann wurde kein „Schnüffler-Hund“, wie er in seinem Buch schreibt. Nach zwei Jahren und dem Abitur in der Tasche war das Kapitel Gadebusch für ihn beendet. Biermann wechselte für ein Studium nach Berlin und schrieb sich in der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität ein.
Urheber der Flaschenpost ungewiss
Dass die im Ostanbau des Gadebuscher Schlosses entdeckte Flaschenpost von dem 1976 aus der DDR ausgebürgerten Liedermacher stammen könnte, hält Hans-Christoph Struck für eher unwahrscheinlich: „Ich weiß nicht, ob er sich bereits zu seiner Zeit in Gadebusch von der DDR ein Stück weit abgewandt hat.“ Struck hofft jedoch auf Hinweise, um mehr über diesen nicht alltäglichen Fund erfahren zu können.
Bereits 2025 eine Flaschenpost gefunden
Bereits 2025 waren Handwerker bei Sanierungsarbeiten im Schloss auf eine Flaschenpost aus den 1950er-Jahren gestoßen. Sie lag im zweiten Obergeschoss unter Fußbodendielen. Im Inneren der Flasche befanden sich handgeschriebene Zettel mit dem Datum 12. Oktober 1954. Auf einem der karierten Zettel, die in der Flasche steckte, ist unter anderem Folgendes zu lesen: „Wenn einst dies Schloß zusammenbricht, dann glaubt gewiss, es ist die Zeit, dann erklingt der Ruf für die Ewigkeit.“ Möglicher Verfasser dieser Worte könnte ein Kurt Heinkel gewesen sein. Drei weitere schlecht lesbare Namen tauchen auf einem zweiten Zettel auf.
Diese und die 2026 gefundene Flaschenpost befindet sich mittlerweile im Gadebuscher Museum und wird in einer Vitrine aufbewahrt.