Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) am vergangenen Samstag (24.7.) wird in Schleswig-Holstein mit Mahnwachen der Opfer gedacht. Unter anderem in Kiel, Lübeck, Schleswig und Husum sind diese Woche Kundgebungen geplant. Bei dem Anschlag kam eine Frau ums Leben, zahlreiche weitere Menschen wurden teils schwer verletzt. Der 21-jährige Tatverdächtige Abdul B. wurde bei einem Polizeieinsatz am Sonntagabend in Berlin getötet. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) geht nicht von einer weiteren Gefährdung aus. Die Bundesanwaltschaft ermittelt.
Mahnwachen in Schleswig-Holstein
In Lübeck findet am Mittwoch (29.7.) um 18 Uhr eine Mahnwache auf dem Markt statt, organisiert von der Lübecker Aidshilfe und dem Lübecker CSD. In Husum ist für Freitag (31.7.) von 17 bis 19 Uhr auf dem Marktplatz vor der Marienkirche eine Mahnwache geplant. In Schleswig wird am Sonntag (2.8.) von 13 bis 14 Uhr auf dem Capitolplatz eine Mahnwache abgehalten. In Kiel und Flensburg fanden bereits Mahnwachen statt: Am Dienstag- und Montagabend versammelten sich in Kiel nach Polizeiangaben jeweils rund 200 bis 250 Menschen zu Gedenkveranstaltungen am Europaplatz und am Rathausplatz. Bereits am Sonntag trafen sich in der Landeshauptstadt rund 200 Menschen zu einer friedlichen Mahnwache am Rathaus. Auch in Flensburg gab es am Sonntagabend eine kleine Mahnwache an der Hafenspitze.
Reaktionen aus der Politik
Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke (CDU) ordnete für Montag (27.7.) Trauerbeflaggung an und äußerte ihr Entsetzen über den Anschlag. „Wir werden nicht dulden, dass Menschen eingeschüchtert werden, weil sie frei, offen und selbstbestimmt leben und lieben wollen“, so Finke. Auch Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zeigte sich erschüttert. Er sicherte der queeren Community seine Solidarität zu. Günther sagte dem NDR Schleswig-Holstein, er habe sich bewusst entschieden, die CSDs in Schleswig-Holstein mit seiner Schirmherrschaft zu unterstützen: „Ich glaube, gerade in den Zeiten, in denen der Freiheitsgedanke, die Frage, wen liebt man, etwas ist, was durchaus von rechter Seite, aber auch vom Islamismus bekämpft wird, dass es hier starke Fürsprecher in der Politik gibt, die sich auf die Seite dieser Menschen stellen und ich möchte einer derjenigen in der CDU sein.“
Sicherheitsmaßnahmen für kommende CSDs
Trotz des Anschlags sollen die nächsten Christopher Street Days in Schleswig-Holstein stattfinden – in Lübeck am 15. August, in Husum am 23. August. Laut Lübecker CSD-Verein sind die Sicherheitsmaßnahmen „sehr hoch, wie beim Weihnachtsmarkt“. Diskutiert werde aber noch über die Route der Demo; diese solle eher kürzer als geplant ausfallen. Innenministerin Finke sagte zu, an einem der nächsten CSDs in Schleswig-Holstein teilzunehmen, um ihre Solidarität und Unterstützung für die queere Community zu zeigen. Außerdem sollen die Sicherheitsmaßnahmen erhöht werden. „Für Schleswig-Holstein gilt: Wir schützen die Christopher Street Days in unserem Land.“ Die Polizei stehe in engem Austausch mit den Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder und bewerte die Sicherheitslage fortlaufend, so Finke.