Wadenkrämpfe zählen zu den häufigsten Muskelkrämpfen. Dabei zieht sich ein Muskel oder eine Muskelgruppe der Wade plötzlich zusammen. Typische Anzeichen sind eine tastbare Verhärtung und Bewegungsunfähigkeit des betroffenen Beins. Meist krümmen sich Fuß und Zehen nach unten. Die Schmerzen sind stechend oder ziehend. Die Krämpfe sind unwillkürlich und lassen nach wenigen Sekunden oder Minuten nach. Dehnen und Massieren können helfen, den Krampf schneller zu lösen. Oft bleibt ein leichter Muskelschmerz zurück.
Ursachen von Wadenkrämpfen
Die Auslöser sind vielfältig und nicht immer eindeutig. Meist ist die Ursache harmlos: eine Ermüdung der Muskulatur durch Sport oder eine Reizfehlleitung durch Elektrolytmangel. Weitere Auslöser sind Medikamente wie Statine, Blutdrucksenker und Asthmamittel, Fehlbelastung durch unpassende Schuhe oder Fußfehlstellungen, Durchblutungsstörungen sowie kaltes Wasser beim Baden. Während der Schwangerschaft leiden viele Frauen unter Wadenkrämpfen.
Elektrolytmangel als Auslöser
Elektrolyte leiten Nervensignale an die Muskelzellen weiter. Bei nachweislichem Mangel an Magnesium, Natrium, Kalium oder Kalzium können Muskeln verkrampfen. Elektrolytstörungen entstehen durch einseitige Ernährung oder Flüssigkeitsmangel. Dehydration kann durch zu wenig Trinken, übermäßiges Schwitzen, Durchfall oder entwässernde Medikamente entstehen. Ältere Menschen trinken oft weniger und entwickeln schneller einen Mangel.
Überlastung und Muskelerschöpfung
Experten vermuten, dass Wadenkrämpfe meist durch Überforderung der Muskeln entstehen – nach spontaner Überlastung beim Sport. Wenig aufgewärmte oder untrainierte Muskeln neigen eher zu Krämpfen. Eine Studie deutet darauf hin, dass Krämpfe bei Sportlern unabhängig von einer Elektrolytzugabe auftraten, was für Muskelerschöpfung als Hauptursache spricht.
Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft
Mehr als die Hälfte aller Schwangeren leidet unter Wadenkrämpfen – vermutlich durch hormonelle Veränderungen und Flüssigkeitsverschiebungen. Auch Durchblutungsstörungen können eine Rolle spielen. Schwangere haben einen leicht erhöhten Magnesiumbedarf. Nach ärztlicher Beratung können sie Magnesium als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.
Nächtliche Wadenkrämpfe
Krämpfe können nachts im Ruhezustand auftreten und Betroffene aus dem Schlaf reißen. Ursachen sind Durchblutungsstörungen, Magnesiummangel, Dehydrierung oder muskuläre Überlastung am Tag. Dehydrierung kann entstehen, weil viele abends nicht mehr trinken. Auch regelmäßiger Alkoholkonsum kann dazu führen. Wiederkehrende nächtliche Krämpfe sollten ärztlich abgeklärt werden.
Wadenkrämpfe als Krankheitsanzeichen
Häufige Krämpfe können auf Erkrankungen hinweisen, etwa Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder Schilddrüsenunterfunktion. Bei Diabetes sind ein gestörter Elektrolythaushalt und Nervenschädigungen möglich. Auch neurologische Erkrankungen wie Polyneuropathie begünstigen Muskelkrämpfe. Sie können Vorboten seltener Muskelerkrankungen sein. Wadenkrämpfe sind jedoch kein Anzeichen für eine Thrombose, obwohl die Symptome ähnlich sein können.
Hausmittel und Erste Hilfe
Bei akuten Krämpfen hilft statisches Dehnen: die Zehen in Richtung Schienbein ziehen und die Position halten. Sanfte Massage, Ausschütteln des Beins oder langsames Gehen können den Krampf lösen. Wärme in Form einer Wärmflasche fördert die Durchblutung und entspannt die Muskulatur. Im Wasser sollten Betroffene ruhig bleiben und weiter schwimmen oder dehnen. Magnesiumpräparate helfen nur bei nachgewiesenem Mangel – wissenschaftlich nicht ausreichend belegt bei normalem Spiegel. Bei sehr schmerzhaften, häufigen Krämpfen kann Chinin verschrieben werden, jedoch wegen Nebenwirkungen nur in schweren Fällen.
Vorbeugung
Die Leitlinien empfehlen regelmäßiges Dehnen zur Vorbeugung nächtlicher Krämpfe. Mehrmals täglich eine Vorbeuge im Stand durchführen, Fersen auf dem Boden. Bei akutem Elektrolytmangel durch Schwitzen oder Durchfall viel trinken und Elektrolytlösungen nutzen. Ältere Menschen sollten auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
Wann zum Arzt?
Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn Krämpfe im Ruhezustand immer wieder auftreten und sich durch Dehnen nicht lösen lassen, sehr schmerzhafte Krämpfe den Schlaf stören, Krämpfe immer bei bestimmten Bewegungen einsetzen oder zusätzlich Übelkeit, Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Bewegungseinschränkungen auftreten. Krämpfe durch Erkrankungen werden ursächlich behandelt.