Die Zahl der wilden Nandus am Ratzeburger See ist drastisch gesunken. Bei der Frühjahrszählung wurden nur noch 39 Tiere registriert. Als Konsequenz wird die seit 2020 erlaubte Jagd auf die exotischen Laufvögel in Mecklenburg-Vorpommern eingeschränkt. Zuvor hatte der NDR darüber berichtet.
Jagd auf adulte Nandus ausgesetzt
Umweltminister Till Backhaus (SPD) erklärte: „Wir haben im Einvernehmen mit den Landwirten, dem Landkreis und den Jägerinnen und Jägern entschieden, die Jagd auf adulte Nandus auszusetzen, um den Bestand nicht weiter unter Druck zu setzen.“ Das Ziel sei, die Zahl der Tiere in der Region nicht über 100 steigen zu lassen, aber auch nicht unter 50 sinken zu lassen.
„Die Art soll bei uns nicht ausgelöscht werden“, betonte der Minister. „Sie soll sich aber auch nicht über den Landkreis Nordwestmecklenburg hinaus verbreiten.“
Höhepunkt 2018 mit fast 600 Tieren
Die Nandus vom Ratzeburger See stammen alle von einer Handvoll Tieren ab, die um die Jahrtausendwende aus einem Gehege entkommen waren. Sie vermehrten sich mangels natürlicher Feinde prächtig. Der norddeutsche Winter konnte ihnen nichts anhaben und gejagt wurden sie zunächst ebenfalls nicht.
Ihren Höhepunkt erreichte die Population 2018 mit fast 600 Tieren. Landwirte beklagten immer lauter, dass ihnen die südamerikanischen Laufvögel den Raps abknabberten. Im Jahr darauf durften erste Nandus (Rhea americana) deshalb geschossen werden, noch ein Jahr später wurden die Exoten ins Jagdrecht aufgenommen. Nun sind kaum noch welche da.
Dunkelziffer möglich
Möglicherweise wurden bei der letzten Frühjahrszählung aber auch nicht alle entdeckt. Durch die Jagd seien die Tiere sehr scheu geworden und versteckten sich, so Backhaus. „Wir gehen daher von einer gewissen Dunkelziffer aus.“ Um ein genaueres Bild zu bekommen, sollen die Nandus im Herbst erneut gezählt werden. Danach soll entschieden werden, wie es mit der Bejagung weitergeht.