Der Holzmarkt in Mecklenburg-Vorpommern ist derzeit stark eingebrochen, wie Waldbesitzer und verarbeitende Betriebe berichten. Der Rohstoff Holz trägt mit etwa fünf Prozent zum Gesamtumsatz der Wirtschaft in MV bei. Die Landesforst erntet jährlich rund 900.000 Festmeter Holz, wobei der Großteil zentral über das Fachgebiet „Vermarktung“ verkauft wird. Kleinere Mengen sind regional an den Forstämtern erhältlich, und hochwertiges Laubholz wird sogar per Katalog vermarktet.
Zentrale Vermarktung mit Vorteilen
Die zentrale Vermarktung bietet auch Besitzern von Privatwäldern die Möglichkeit, ihr Holz ohne eigene Handelswege zu verkaufen. Landesforst und Waldbesitzerverband beobachten gemeinsam die Preisentwicklung, wie Karl-Joachim Baron von Brandenstein, stellvertretender Vorsitzender des Waldbesitzerverbands MV, erklärt. Der Holzmarkt ist stark von den Jahreszeiten abhängig.
Im Frühjahr gab es noch gute Preise für Nadelholz, insbesondere Kiefer, die in MV dominiert. Aktuell sind die Preise jedoch deutlich gefallen. „Es ist jedoch auch so, dass im Moment die ganzen Lager der Verkäufer – ob das jetzt die Baumärkte, die Tischlereien oder die Zimmerleute sind – voll mit Holz sind. Die Bauwirtschaft funktioniert nicht ordentlich und es läuft nicht so viel, wie man sich das erhofft hatte. Nadelholz kann man noch verkaufen, aber für deutlich weniger Geld als noch im Winter“, sagt von Brandenstein.
Waldbesitzerverband MV
Der Waldbesitzerverband MV vertritt eine Mitgliedsfläche von rund 42.000 Hektar mit etwa 230 Mitgliedern. Er informiert seine Mitglieder über aktuelle Entwicklungen am Holzmarkt und gesetzliche Regelungen. Die Waldflächen reichen von drei bis über 1000 Hektar, wobei kleinere Eigentümer oft in Forstbetriebsgemeinschaften organisiert sind.
Holz wird im Baubereich teilweise durch andere Materialien ersetzt. „Im Fenster- und Türenbau hat Kunststoff als Material das Holz weitestgehend ersetzt, denn es ist günstiger als langlebige Holzarten wie Eiche“, sagt Alexander Demps, Prokurist der Drinkuth AG in Boizenburg. Viele Bauunternehmer setzen auf hochwertige Kunststoffe, da sie langlebig und pflegeleicht sind.
Hoffnung auf Preisanstieg
Trotz der Ersatzmaterialien bleibt Holz ein wichtiger Baustoff. Die Waldbesitzer hoffen auf steigende Preise. Von Brandenstein hatte eigentlich mit einer Marktsteigerung gerechnet, da weniger Borkenkäferholz anfiel. „Aber offensichtlich ist der Markt doch jetzt so wenig in Schwung, dass auch für gesundes Holz – vorrangig geht es hier um Nadel-Sägeholz – jetzt deutlich weniger Geld bezahlt wird.“ Generell sinken die Preise im Sommer, aber „so heftig, wie es jetzt eingebrochen ist, hatten wir es eigentlich lange nicht mehr. Ich hoffe mal, dass der Markt zum Herbst wieder anzieht.“
Derzeit wird beim Holzeinschlag auf die Bremse getreten. „Im Moment kann ich keinem Waldbesitzer empfehlen, neue Verträge abzuschließen, weil ich ganz sicher bin, dass es im Herbst wieder besser wird“, sagt von Brandenstein. „Irgendwann kommt der Zeitpunkt, dann braucht auch der Markt wieder Holz. Und dann werden die Preise auch wieder steigen. Diese Durchstrecke muss man jetzt einfach mal durchhalten.“
Energiesektor treibt Preise
In anderen Bereichen sind Preissteigerungen bereits spürbar, da Holz als Energieträger stärker nachgefragt wird, berichtet Ralf Lorber, Werksleitung Finanzen/Verwaltung bei Egger in Wismar. „Holz ist für uns die zentrale Ressource für die Herstellung unserer Holzwerkstoffe. Die Preise im Holzeinkauf unterliegen grundsätzlich einer gewissen Volatilität. Aktuell nehmen wir Preissteigerungen wahr. Die hohe Nachfrage nach Holz, insbesondere aus dem Energiesektor, wirkt sich auf das Preisniveau aus. Treiber sind auch höhere Logistikkosten, etwa durch höhere Kraftstoffpreise im Zuge geopolitischer Entwicklungen“, sagt Lorber.
Egger Holzwerkstoffe GmbH
Das Egger-Werk in Wismar stellt Holzwerkstoffe wie OSB-Platten her. Die Egger-Gruppe mit Stammsitz in St. Johann in Tirol hat rund 12.000 Mitarbeiter und 22 Produktionsstandorte weltweit. Im Geschäftsjahr 2025/2026 erwirtschaftete die Gruppe einen Umsatz von rund 4,26 Milliarden Euro.
„Wir sind am Standort Wismar gut und ausreichend versorgt, dafür trägt unser Holzeinkauf Sorge“, so Lorber. Der Einkauf erfolgt möglichst regional, mit einem Radius von maximal 150 Kilometern um die Werke. „Neben Frischholz, wie etwa nicht sägefähigem Rundholz oder Durchforstungsholz, beziehen wir in Wismar vor allem sogenannte Sägenebenprodukte. Dies sind Nebenprodukte, die bei industriellen Holzbearbeitungsprozessen anfallen, wie Hackschnitzel oder Sägespäne“, schildert Lorber. „Wir kaufen sie von Sägewerken, eines davon befindet sich in unserer direkten Nachbarschaft in Wismar.“