Der Ortsbeirat Warnemünde lädt Rostocks Umweltsenatorin Ute Fischer-Gäde (Grüne) zu einem gemeinsamen Rundgang ein, um die Probleme mit Schlaglöchern, Stolperkanten und Sandstellen zu zeigen. „Wir wünschen uns einen Stadtteil, der wirklich barrierefrei wird“, sagt der Vorsitzende des Beirats, Axel Tolksdorff (Rostocker Bund). „Dazu gehören sichere Straßen und Gehwege.“
Barrierefreiheit und Klimaschutz verbinden
Geplant sei ein Spaziergang auf der Poststraße, Fritz-Reuter-Straße, Alexandrinenstraße, Mühlenstraße und Kurhausstraße, so Tolksdorff. „Wir möchten zeigen, dass Klimaanpassung und eine moderne Infrastruktur kein Gegensatz sein müssen“, sagt der Vorsitzende. Beides lasse sich gut verbinden, beides sei wichtig. „Beides eilt.“
Tolksdorff verweist auf Stolperstellen entlang der Poststraße. „Hier und in den weiteren genannten Straßen kommt es immer wieder zu Stürzen.“ Ladenbesitzer hätten bereits mehrfach Passanten aufgeholfen. „Für Menschen mit Rollatoren ist ein Fortkommen in Teilen kaum möglich“, betont er. Es bestehe „Handlungsbedarf – und zwar kurzfristig.“ Denn: Nachhaltige Stadtentwicklung setze immer auch „sichere Wege für Menschen“ voraus.
Touristisches Aushängeschild und grüne Visitenkarte
Der Ortsbeirat begründet das Anliegen auch mit der Rolle des Stadtteils Warnemünde für Rostock. Das Seebad erwirtschafte einen großen Teil der Tourismuseinnahmen. „Warnemünde ist das touristische Aushängeschild Rostocks – und seine grüne Visitenkarte. Wer hier Urlaub macht, erwartet ein gepflegtes Umfeld“, so Tolksdorff. „Ein ungepflegtes Umfeld spricht sich herum und bedeutet Mindereinnahmen.“ Daraus leitet er ab, „dass die Prioritäten in der Haushaltsplanung an die touristischen Einnahmen angepasst werden sollten“. Zugleich betont Tolksdorff: „Auch andere Ortsteile haben Bedarf. Wir nehmen uns nicht wichtiger als diese.“
Herausforderung Fritz-Reuter-Straße
Eine besondere Herausforderung sieht der Ortsbeirat in der Fritz-Reuter-Straße. Ein zu erneuernder Abwasserkanal liegt dort rund sechs Meter tief. „Wir wollen Lösungen, die Bäume schützen und dennoch den Tiefbau ermöglichen“, so Tolksdorff. Deshalb regt er an, moderne Untersuchungsverfahren wie Wärmebildkamera zu nutzen, statt Probeschachtungen durchzuführen. Auch andere „zerstörungsarme Methoden“ seien zu prüfen. Damit sollen Wurzelverläufe möglichst genau bestimmt werden. „Wenn wir besser wissen, wo Wurzeln verlaufen, vermeiden wir Schäden und sparen Geld“, erklärt Tolksdorff. Dabei fügt er hinzu: „Sicherlich haben die Fachämter auch schon teilweise geprüft. Nähere Bodenuntersuchungen müssten dann nochmals in den Abstimmungsprozess einfließen.“ Dies könne auch „unliebsame Konsequenzen“ zur Folge haben, wie beispielsweise den „teilweisen Ersatz der Altbäume durch Neupflanzungen“.
Olympia als zusätzlicher Anreiz
Wird die Senatorin die Einladung annehmen? Hat die Stadt das nötige Geld für die Sanierungen? Tolksdorff ist zuversichtlich. „Wir möchten niemanden vorführen. Es geht darum, dass Warnemünde barrierefreier und attraktiver wird.“ Dies sei auch wichtig mit Blick auf die Olympischen Segelwettbewerbe, um die sich die Hansestadt bewirbt. „Es ist wichtig, dass sich auch die internationalen Besucher hier sicher bewegen und wohlfühlen können.“ Davon werde ganz Rostock profitieren.