Fall Fabian: Angeklagte schweigt bis zum 22. Verhandlungstag
Fall Fabian: Angeklagte schweigt bis zum 22. Verhandlungstag

Im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian wird am 22. Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock die erste Aussage der Angeklagten erwartet. Das Gericht rechnet mit über 100 Zuschauern und zahlreichen Medienvertretern.

Ob sich die 30-jährige Frau selbst äußert, eine Erklärung verlesen lässt oder auf Fragen des Gerichts antwortet, ist noch offen. Einer ihrer Verteidiger hatte die Chancen, dass seine Mandantin auf Nachfragen eingehen wird, zuletzt als „minimal klein“ eingestuft.

Vorwurf: Tötung und Brandlegung

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, den Jungen am 10. Oktober 2025 an einem Teich bei Klein Upahl, etwa 15 Kilometer südlich von Güstrow, erstochen und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt zu haben. Seit Prozessbeginn am 28. April schwieg die Angeklagte.

Dennoch war ihre Stimme an fast jedem Prozesstag zu hören: Die Kammer spielte zahlreiche Sprachnachrichten, abgehörte Telefongespräche und Videoaufnahmen aus der Justizvollzugsanstalt ab, in der die Frau seit dem 7. November des Vorjahres in Untersuchungshaft sitzt.

Beziehung und Sprachnachrichten

Die Frau hatte Fabians Vater oft im Minutentakt Sprachnachrichten geschickt, mit dem sie bis August 2025 eine vierjährige Beziehung führte. In den Chats ging es um Liebe, Trennung, Vorwürfe der Lüge und Eifersucht. Die Angeklagte war auf die materielle Hilfe des Vaters angewiesen, denn sie besitzt fünf Pferde.

Wegen einer Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Symptomen bezieht sie seit Jahren eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, ziel- und zweckgerichtet gehandelt zu haben, um durch die Tötung des Jungen einen Streitpunkt mit dem Vater zu beseitigen und diesen nach der Trennung zurückzugewinnen. Für die Angeklagte gilt die Unschuldsvermutung.

Nebenklage und Prozessplanung

Fabians Mutter nimmt mit ihrer Anwältin Christine Habetha als Nebenklägerin an dem Prozess teil. Sie war am 30. April die erste Zeugin und schilderte, wie sie den Tag des Verschwindens ihres Sohnes und die Tage danach erlebte.

Fabian war am 10. Oktober, einem Freitag, nicht zur Schule gegangen, weil es ihm nicht gut ging. Die Mutter fand nach der Arbeit gegen 15.30 Uhr eine leere Wohnung vor und gab abends eine Vermisstenanzeige auf. Der Junge wurde erst vier Tage später nach intensiver Suche tot aufgefunden.

Die erste Aussage der Angeklagten fällt auf den 22. Verhandlungstag – geplant sind bislang 27 Prozesstage bis zum 10. September. Ob der Zeitplan für das Urteil eingehalten werden kann, ist noch nicht klar.