Eine ungewöhnliche Häufung von Justiz-Pannen im Maßregelvollzug ist derzeit im Bereich Rostock zu verzeichnen. In einem Zeitraum von sechs Wochen sind in der Hansestadt gleich vier Strafgefangene der Forensik geflüchtet – entweder aus einer Klinik des Maßregelvollzuges oder auf Lockerungs-Ausgängen.
Ein Mann wurde in einem Hotel in Montenegro aufgespürt
Die Vorfälle mussten jetzt Justiz- und Sozialministerium MV auf Nachfrage unserer Redaktion einräumen. „Es handelt sich in einem Fall um eine Entweichung aus einer Klinik des Maßregelvollzuges, in den anderen Fällen jeweils um eine Nichtrückkehr aus einer selbstständigen Lockerung“, bestätigte Jakob Schranck, Pressesprecher im Justizministerium. Die Fälle haben sich am 3. und 9. Juni sowie am 15. und 16. Juli in der Hansestadt zugetragen.
Beim ersten Vorfall am 3. Juni flüchtete ein 26-jähriger Strafgefangener aus dem Maßregelvollzug Gehlsdorf auf einem begleiteten Ausgang in der Rostocker Innenstadt. Die Polizei fahndete umgehend nach ihm. Der 26-Jährige konnte Mitte Juli in einem Hotel in Montenegro aufgespürt werden.
Einzelheiten zu anderen Fällen unter Verschluss
Einzelheiten zu den anderen Fällen wollten die Ministerien mit Verweis auf den Datenschutz nicht bekanntgeben. „Die Umstände werden derzeit geprüft“, erklärt Schranck und ergänzt: „Konkrete Gefahren für die Allgemeinheit gingen von den Patienten jeweils nicht aus.“
Zu den jeweiligen Gründen der Unterbringung wollten die Ministerien ebenfalls keine Angaben machen. „Umgehend nach dem Bekanntwerden der Vorfälle wurde jeweils die Polizei informiert und die Fahndung ausgelöst“, teilt der Pressesprecher mit.
Im Fall der Entweichung aus der Gehlsdorfer Nervenklinik wurden auch von Klinikseite aus umfangreiche Suchmaßnahmen zur Wiederergreifung des Flüchtigen durchgeführt.
Ein Patient wurde noch immer nicht gefunden
Drei der vier Patienten befinden sich nach der Festnahme durch die Polizei inzwischen wieder im amtlichen Gewahrsam im Maßregelvollzug Rostock, dabei handelt es sich um zwei Nicht-Rückkehrer eines Ausgangs und um eine Flucht aus der Klinik. „Der jeweiligen Ergreifung gingen Fahndungsersuchen und entsprechende Maßnahmen der Polizei voraus“, sagt Jakob Schranck. Nach dem noch nicht ergriffenen Patienten, einem „Nicht-Rückkehrer“, wird nach wie vor gefahndet.
Nach den vier Vorfällen innerhalb von sechs Wochen werden in punkto Sicherheit neue Abläufe eingeführt. „In allen Fällen werden neben sofort umgesetzten Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit beim Verlassen der Klinik derzeit die entsprechenden Abläufe der Klinik geprüft und die dann im Ergebnis ggf. weiteren erforderlichen Maßnahmen veranlasst werden, um zukünftig solche oder ähnliche Fälle auszuschließen“, erklärt der Sprecher des Justizministeriums.
Er betont weiter, dass es sich bei den Vorfällen „in Anbetracht der vielen alltäglichen Ausgänge und der hohen Anzahl an Patienten im Maßregelvollzug um seltene Ereignisse“ handele. Insgesamt, so Jakob Schranck weiter, sei im Vergleich zu den Vorjahren bisher keine Häufung solcher Vorfälle zu verzeichnen. „Die Ursachen werden derzeit geklärt“, versichert er.