Die historischen Holzkutter am Alten Strom in Warnemünde sind aus Sicht von Guido Zöllick, Generalmanager und Geschäftsführer des Hotel Neptun, akut gefährdet. „Wenn jetzt nichts passiert, könnte ein Stück maritime Identität für immer verschwinden“, warnt er. Damit meldet sich eine der wichtigsten Stimmen des Ostseebads in der aktuellen Kutter-Debatte zu Wort.
Hohe Kosten für den Betrieb
Der 56-Jährige erinnert daran, dass der Alte Strom in seiner Kindheit von roten Holzkuttern geprägt war. Heute lägen dort nur noch wenige Kutter, manche dienten als Verkaufsstände für Fischbrötchen. „Es wäre schade, wenn der Bezug zur Fischerei verloren geht“, betont er.
Das Hotel Neptun hält deshalb bewusst an der Kutter-Tradition fest. Seit 1987 betreibt das Fünf-Sterne-Hotel einen ehemaligen Fischkutter für Gästefahrten. Das Schiff „Santa Maria“ wurde in Stralsund gebaut und später von Greifswald aus nach Warnemünde überführt. Es liegt heute am Liegeplatz 7 am Alten Strom. Doch: „Das kostet uns deutlich mehr Geld, als wir damit einnehmen“, gesteht Zöllick. Hohe Werft- und Liegekosten, strenge Sicherheitsauflagen und Ausrüstung schlagen ebenso zu Buche wie die nötigen Schulungen für die Crew. „Das Interesse der Gäste ist aber durchaus vorhanden.“
Das nötige Handwerk stirbt aus
Zöllick sieht jedoch noch ein weiteres Problem: „Bootsbauer, die solche traditionellen Holzschiffe fachgerecht bearbeiten können, sind rar geworden.“ Dazu kommen fehlende Werftkapazitäten und geeignete Kräne für die schweren Holzkutter.
Er ist sicher, dass es ein öffentliches Interesse am Erhalt der Kutter gibt. „Die historischen Kutter gehören einfach zum unverwechselbaren Bild Warnemündes. Das ist keine Show, sondern Traditionspflege.“
Ein Eintrag in eine Denkmalliste allein genügt aus seiner Sicht nicht. „Es sind verlässliche Konzepte für den Erhalt, den Betrieb und die Finanzierung der historischen Kutter ebenso nötig, wie die oft nur ideelle Unterstützung in Politik und Öffentlichkeit der Hansestadt.“